Libanon : Deutsche Hilfe auf mehreren Ebenen möglich

In der Frage eines Bundeswehreinsatzes in Nahost peilt die große Koalition laut Medienberichten eine Beteiligung der Bundesmarine und der Bundespolizei an. Darüber hinaus könnte das Technische Hilfswerk eingesetzt werden.

Berlin - Dass die anstehenden Aufgaben durchaus gemeistert werden könnten, zeigen ähnliche Einsätze in der Vergangenheit.

MARINE: Vor der Küste des Libanon könnten deutsche Schiffe helfen, den Waffenschmuggel der Hisbollah über den Seeweg zu stoppen. Solch einen Einsatz unternahm die deutsche Marine erstmals von 1992 bis 1996 in der Adria, um im Rahmen der Operation "Sharp Guard" das Waffen- und Handelsembargo gegen Jugoslawien durchzusetzen. Im Einsatz waren damals Zerstörer, Fregatten und drei Seeaufklärer. Ab 2002 folgte die Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" am Horn von Afrika mit Fregatten, Schnellbooten und Marinefliegern. Derzeit beteiligt sich die Marine mit einem U-Boot und 23 Soldaten an der US-geführten Operation "Active Endeavour" zur Überwachung des Schiffsverkehrs im Mittelmeer.

BUNDESPOLIZEI: Einheiten des früheren Bundesgrenzschutzes könnten an der Grenze des Libanon zu Syrien helfen, den dort florierenden Waffenschmuggel sowie das Einsickern islamistischer Gotteskrieger einzudämmen. Grundvoraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Beamten der rund 30.000 Mann starken Bundespolizei nur in einem so genannten sicheren Umfeld und nicht unter einem militärischen Kommando eingesetzt werden. Zu einem derartigen internationalen Einsatz traten deutsche Polizisten auf Ersuchen und unter Verantwortung der EU im Dezember 2002 in Bosnien-Herzegowina an. Ziel der Mission war es, die Polizei vor Ort beim Aufbau schlagkräftiger und rechtsstaatlicher Strukturen zu unterstützen.

ZIVILE HILFE: Auf einer Konferenz am 31. August in Schweden wollen Deutschland und andere Länder über weitere humanitäre Hilfe für den Libanon beraten. Bundesentwicklungshilfeministerin Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) erwägt, etwa beim schnellen Wiederaufbau der Wasserversorgung zu helfen. Das sei "wichtig, damit in der Region - zumal bei Kindern - Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser entstehen, verhindert werden", erklärte sie.

Zum Einsatz könnte dann das Technische Hilfswerk (THW) mit seiner Trinkwasseraufbereitungseinheit Seewa kommen. Die dem Bundesinnenministerium unterstellte Organisation hat die Effizienz ihrer Aufbereitungsanlagen schon in zahlreichen Krisenregionen bewiesen. Dazu zählen die Einsätze nach den Erdbeben im Iran und Pakistan oder nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien und Sri Lanka nach der Tsunami-Katastrophe. THW-Experten könnten zudem im Libanon beim Wiederaufbau der von Israel zerstörten Brücken und Elektrizitätswerke helfen. (tso/AFP)

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