Libanon : Die Hisbollah bleibt präsent

Die Waffen zwischen israelischer Armee und Hisbollah-Miliz schweigen, die Verstärkung für die UN-Friedenstruppe formiert sich - doch im Südlibanon bleibt die Hisbollah allgegenwärtig.

Hula - Die Anhänger der schiitischen Miliz patroullieren zwar nicht als waffenstarrende Kämpfer, aber vor allem in den verlassenen Ortschaften an der Grenze zu Israel sind sie ständig sichtbar. In Zivilkleidung streifen sie durch die Orte der Krisenregion. Nur ihre Walkie-Talkies im Gürtel verraten ihre Zugehörigkeit zur Miliz.

Seit die Waffenruhe am 14. August in Kraft trat, setzt die Hisbollah auf zurückhaltendes Auftreten: Ihre Mitglieder postieren sich unauffällig an den Rändern steiniger Wege, weit ab von den Hauptverkehrsstraßen. Oder sie fahren die Straßen entlang, um von weitem die letzten israelischen Stellungen, die noch auf libanesischem Gebiet verblieben sind, zu beobachten. Schließlich waren Anfang der Woche noch 250 Israelis und 30 Panzer an neun Punkten nahe der Grenze stationiert.

Die Männer der Hisbollah sind durchaus höflich, selten jedoch redselig oder freundlich. Sie geben nichts preis, weder über ihren Aufenthalt noch über ihre militärischen Aktivitäten. Zu fünft in Autos hineingezwängt - meist Mercedes und Volvo - oder auf Motorrollern durchqueren sie mit wehenden grünen Hisbollah-Flaggen das Grenzgebiet. Die unsichere Lage, der Mangel an Wasser und Strom halten die große Mehrheit der Bewohner davon ab, ins Zentrum der Krisenregion zurückzukehren.

"Sieg des Blutes"

Mit den Flaggen auf Ruinen und an den Ortseingängen markieren die schiitischen Kämpfer ihr Territorium und feiern den "Sieg des Blutes" über den verhassten Nachbarn Israel. Seit Beginn der Waffenruhe seien viele neue Hisbollah-Fahnen aufgezogen worden, sagt Boulus, ein Familienvater aus dem christlichen Ort Ain Ebel. "Sie sind dort, um zu bleiben. Sie werden nicht aufgeben", urteilt er über die Miliz.

In Hula kommt Bilal Kotesch auf seinem Mofa angebraust, die Antenne seines Walkie-Talkies ragt aus seinem roten T-Shirt. Der 22-Jährige zeigt bereitwillig, wo zwei "feindliche" Panzer an einem Vorsprung in der Ortschaft postiert sind. Er beginnt eine Unterhaltung mit drei Jugendlichen. Sie wünschen sich den Sieg über Europa. Es sei nicht schwer, der Hisbollah ihre Waffen zu nehmen, meint Bilal. "Aber wenn sie sich zurückziehen, wer beschützt dann die Menschen hier?", fragt der junge Mann.

Hisbollah organisiert Beerdigungen für "Märtyrer"

Neben ihrer Rolle als bedeutende Macht in der Region - die Hisbollah kontrolliert rund 60 von 230 Ortschaften im Südlibanon -, engagiert sich die Partei Gottes auch auf humanitärem Gebiet. Sie organisiert die Beerdigungen für die "Märtyrer": Lange Konvois, etliche Flaggen und Lautsprecher, aus denen Kriegslieder tönen, sollen die Gefallenen ehren.

Aber vor allem bietet die Bewegung den Ausgebombten in den vom Krieg besonders betroffenen Gebieten ihre Hilfe an. Ihre Wohlfahrtsorganisation, Dschihad El Binna, hat gleich am ersten Tag des Waffenstillstands angeboten, die Schäden in den Wohngebieten und die Verluste auf den Feldern aufzulisten. Sie schickte Bulldozer, um den Schutt wegzuräumen, und verteilte in einer ersten Aktion Hilfsgelder an obdachlose Familien. Am Dienstag forderte die Hisbollah die kriegsgeschädigten Libanesen auf, beglaubigte Anträge mit Foto einzureichen - mit dem Versprechen weiterer Entschädigungen.

Bei den Staatsorganen stößt die Hilfsbreitschaft der Hisbollah auf gemischte Gefühle: Ministerpräsident Fuad Siniora sagte am Mittwoch, die Hilfe der Hisbollah für die Geschädigten sei eine "Notlösung". Er versicherte, der Staat würde die Hauptrolle beim Wiederaufbau spielen und bat die Bevölkerung ebenfalls darum, Anträge einzureichen - allerdings bei der Regierung und nicht bei der Partei Gottes. (Von Anne Chaon, AFP)

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