Libanon : Fatah-al-Islam-Chef doch nicht tot

Der bei der Erstürmung des Flüchtlingslagers Nahr al Bared angeblich getötete Islamistenführer Schaker Abssi ist offenbar doch nicht tot. Ein DNS-Abgleich habe das Gegenteil bewiesen, erklärten libanesische Behörden.

Abssi
Doch am Leben: Schaker Abssi. -Foto: AFP

BeirutDer Islamisten-Führer Schaker Abssi ist bei der Einnahme der palästinensischen Flüchtlingssiedlung Nahr al Bared im Nordlibanon doch nicht getötet worden. Die DNS-Tests an einer zunächst als die von Abbsi identifizierten Leiche seien negativ ausgefallen, teilte die libanesische Generalstaatsanwaltschaft mit. Der Chef der Extremistengruppe Fatah al Islam könne vor dem Ende der monatelangen Kämpfe aus der Siedlung geflohen sein. Abssis Ehefrau hatte die Leiche am 3. September im Leichenschauhaus des Krankenhauses von Tripoli als die ihres Mannes identifiziert.

In der über die Nachrichtenagentur Ani verbreiteten Mitteilung der Staatsanwaltschaft hieß es, ein aus dem Jemen stammender Mann, der am Samstag in der Nähe von Nahr al Bared festgenommen wurde, habe zugegeben, in der Nacht zum 2. September zusammen mit Abssi und drei weiteren Kämpfern rechtzeitig vor der Eroberung der Siedlung durch die libanesische Armee geflohen zu sein. Abssi sei demnach "bei guter Gesundheit" und mit einem Kalaschnikow-Gewehr, einem Sprengstoffgürtel und Granaten bewaffnet. Die Soldaten hatten die in Nahr al Bared verschanzten Kämpfer der Fatah al Islam seit dem 20. Mai umzingelt und am 2. September deren letzte Stellungen erobert.

Flüchtlingssiedlung soll wiederaufgebaut werden

Unterdessen sprach sich der libanesische Regierungschef Fuad Siniora auf einer Geberkonferenz in Beirut dafür aus, für den Wiederaufbau der bei den monatelangen Kämpfen zerstörten Flüchtlingssiedlung internationale Hilfsgelder in Höhe von 382 Millionen Dollar (277 Millionen Euro) zur Verfügung zu stellen. An der Konferenz nahmen Vertreter der Weltbank, der Europäischen Union, der USA, Russlands, der arabischen Länder und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) teil. Der Direktor des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), Richard Cook, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die ersten Flüchtlinge könnten frühestens in sechs Monaten in die Siedlung zurückkehren.

Bei den Kämpfen wurden amtlichen Angaben zufolge etwa 400 Menschen getötet, unter ihnen mindestens 222 Islamisten und 163 Soldaten. Fast alle 31.000 Bewohner der Siedlung waren schon in den ersten Wochen der Kämpfe geflohen. (mit AFP)

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