Libanon-Gipfel : Konferenz fordert rasches Kriegsende

Der Tod von vier UN-Soldaten bei einem israelischen Luftangriff hat die internationale Libanon-Konferenz in Rom überschattet. UN-Generalsekretär Annan übte ungewöhnlich scharfe Kritik an Israel.

Beirut/Rom - Israels Ministerpräsident Ehud Olmert bedauerte das Bombardement eines Postens der UN-Mission im Libanon (Unifil). UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich schockiert "über den offenbar absichtlichen Angriff" und forderte eine umfassende Untersuchung. Wie Annan zuvor sprachen sich auch die Konferenzteilnehmer in Rom für eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah aus. Beide Seiten erlitten bei Gefechten um die südlibanesische Ortschaft Bint Dschbeil schwere Verluste.

Israelische Bomben trafen am späten Dienstagnachmittag einen zweistöckigen Beobachtungsposten der UN-Truppen im Sektor Chiam im östlichen Grenzgebiet. Ein Österreicher, ein Finne, ein Kanadier und ein Chinese seien vermutlich ums Leben gekommen, hieß es in libanesischen Sicherheitskreisen. Bis zum Nachmittag waren erst drei Leichen geborgen. Ihre Identifizierung dauerte an. Die Regierung in Peking bestätigte den Tod eines chinesischen Soldaten.

UN-Generalsekretär Annan übte ungewöhnlich scharfe Kritik an Israel: Es habe sich um einen "koordinierten Angriff" auf einen UN-Posten gehandelt. Er habe stattgefunden, obwohl Olmert ihm "persönlich versichert" habe, dass UN-Stellungen verschont blieben, kritisierte der UN-Chef. Unifil-Sprecher Milos Strugar warf der israelischen Armee vor, auch während der Rettungsarbeiten ihre Angriffe fortgesetzt zu haben. China und Österreich bestellten den israelischen Botschafter ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte "tiefes Bedauern" über den Tod der UN-Soldaten.

Die israelische Armee leitete nach Angaben eines Militärsprechers eine Untersuchung ein. Der israelische UN-Botschafter Danny Gillerman sagte, er sei "schockiert" über die "hasserfüllten, voreiligen und falschen Behauptungen" Annans. Die Teilnehmer der internationalen Libanon-Konferenz in Rom gedachten in einer Schweigeminute der getöteten UN-Beobachter. Sie verabschiedeten eine Erklärung, in der sie sich verpflichten, schnell auf einen Waffenstillstand hinzuarbeiten. Dieser müsse "dauerhaft und umfassend" sein.

Siniora legt Sieben-Punkte-Plan vor

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora legte einen Sieben-Punkte-Plan für eine Friedenslösung vor. Darin forderte er nach einem Waffenstillstand eine Verstärkung der UN-Mission im Libanon mit einem veränderten Mandat, um auch humanitäre Hilfe zu leisten. Außerdem solle ein Gefangenenaustausch zwischen Israel und dem Libanon unter Kontrolle des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz stattfinden. Israel müsse sein Land für die Luftangriffe entschädigen.

Der italienische Außenminister Massimo D'Alema schlug eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Libanon vor. Die Europäische Union wollte nach der Konferenz von Rom mehrere Vertreter in die Krisenregion schicken, darunter EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner.

Kämpfe um Bin Dschbeil

Beim Kampf um die Kontrolle der südlibanesischen Ortschaft Bint Dschbeil starben nach Angaben des Fernsehsenders Al Dschasira 13 israelische Soldaten in einem Hinterhalt der Hisbollah. Zwölf weitere seien verletzt worden. Eine israelische Armeevertreterin bestätigte, dass neun Soldaten "getroffen" worden seien. Nach Angaben von Jizchak Ronen, dem israelischen Kommandeur des Einsatzes in der Ortschaft, seien etwa fünfzig Hisbollah-Kämpfer getötet worden.

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Dorf bei Bint Dscheil wurden laut Polizei zehn Menschen unter den Trümmern begraben. In der Region der Hafenstadt Tyrus wurden nach Angaben eines Verantwortlichen des libanesischen Zivilschutzes mindestens 57 Zivilisten verschüttet. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah kündigte an, dass die schiitischen Freischärler künftig auch "über Haifa hinaus" israelische Ziele mit Raketen beschießen würden. (tso/AFP)

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