Libanon : Hisbollah könnte Syrien in Konflikt hineinziehen

Die Eröffnung einer dritten Front in Syrien würde eine international befürchtete weitere Eskalation des Nahost-Konflikts bedeuten. Israels Militärtrategen gehen davon aus, dass die Hisbollah alles versucht, um Syrien in den Konflikt hineinzuziehen

Damaskus - Als unmittelbarer Nachbar Israels und langjähriger Unterstützer der libanesischen Hisbollah-Miliz beobachtet Syrien gespannt jeden Schritt der israelischen Armee. Damaskus droht mit "uneingeschränkter Reaktion", sollte sein Territorium angegriffen werden. Israels Generäle wiederholen indes beharrlich, ihre Angriffe im Grenzgebiet richteten sich ausschließlich gegen die Hisbollah, die zwei ihrer Soldaten entführt hat und täglich Raketen auf israelisches Gebiet schießt. Andererseits nennt die politische Führung in Israel Syrien in einem Atemzug mit Iran als "Achse des Terrors". Vor allem die Hisbollah habe ein Interesse, Damaskus in den Krieg zu verwickeln.

"Jeder Angriff auf Syrien würde eine uneingeschränkte, direkte und harte Antwort nach sich ziehen", verbreitete Syriens Informationsminister über die staatliche Nachrichtenagentur Sana und betonte dabei die Unterstützung seines Landes für den "nationalen libanesischen Widerstand". Gemeint ist die Hisbollah-Miliz. Tage zuvor schon hatte Teheran markige Drohungen ausgestoßen. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad drohte Israel für den Fall eines Angriffs auf Syrien mit einer "strengen Antwort". Dies würde als Angriff auf die gesamte islamische Welt gewertet, wetterte Ahmadinedschad nach Berichten den iranischen Fernsehens in einem Telefongespräch mit Syriens Präsident Baschar al Assad.

Israel wirft Syrien vor, die schiitische Hisbollah-Miliz mit Waffen zu versogen. "Die Hisbollah könnte im Libanon nicht ohne die Unterstützung Syriens operieren", sagt Außenamtssprecher Gideon Meir. Mindestens eine der Raketen, die am Sonntag in der nordisraelischen Hafenstadt Haifa einschlugen und acht Menschen töteten, könnte nach israelischen Angaben syrischer Bauart gewesen sein. Damaskus, das von Israel die 1967 besetzten Golan-Höhen zurückwill, streitet Waffenlieferungen an die Schiiten-Miliz kategorisch ab.

Sollte sich herausstellen, dass die libanesische Miliz über Langstreckenwaffen aus Syrien verfügt, bliebe Israel gar keine andere Chance als Damaskus anzugreifen, urteilt Hardliner Juval Steinitz, früherer Chef des Sicherheitsaussschusses im Parlament. Das israelische Militär installierte in Haifa das Rakatenabwehrsystenm "Patriot", um gegen syrische Angriffe gewappnet zu sein. Vor den von der Hisbollah verwendeten Katjuscha-Raketen jedenfalls bietet "Patriot" Experten zufolge keinen Schutz.

Schon lange wesentliche Rolle

Im Konflikt mit dem Libanon spielt Syrien seit langem eine entscheidende Rolle: Erst im vergangenen Jahr zog das Land unter internationalem Druck seine Truppen aus dem Libanon ab, nachdem Vorwürfe über seine Verwicklung in die Ermordung des langjährigen libanesichen Ministerpräsidenten Rafik Hariri laut geworden waren. Aber auch an der zweiten Front im Gazastreifen ist Damaskus zumindest indirekt involviert: Sehr zum Missfallen Israels finden führende Vertreter der radikalislamischen Hamas, die seit März die Regierung in den Palästinensergebieten stellt, dort ein wichtiges Rückzugsgebiet. So fand etwa der Chef des Hamas-Politbüros, Chaled Maschaal, Asyl bei Israels nordöstlichem Nachbarn.

Die Eröffnung einer dritten Front in Syrien - nach dem Gazastreifen im Süden und Libanon im Norden - würde eine international befürchtete weitere Eskalation des Nahost-Konflikts bedeuten. Israels Militärtrategen gehen davon aus, dass die Hisbollah alles versucht, um Syrien in den Konflikt hineinzuziehen, erläutert Armeegeneral Gadi Asincot. Bisland aber gelte: "Syrien ist kein Ziel unserer Operationen".

Beobachtern zufolge allerdings könnte sich Syrien stark fühlen, weil Israels wichtigster militärischer Verbündeter, die USA, wegen seiner Verwicklung in Afghanistan und im Irak die Hände gebunden sind. "Syrien wird in die Offensive gehen", glaubt Nahostexptere Joshua Landis von der Universität Oklahoma. Bisher beschränkt sich Damaskus darauf, die arabischen Länder für ihr Schweigen zu schelten. (Von Roueida Mabardi, AFP)

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