Libanon : In Beirut marschiert die Armee auf

Nach den schweren Ausschreitungen von gestern geht das libanesische Militär in der Hauptstadt in Stellung. Auch Schulen und Universitäten blieben heute geschlossen. Die politische Krise zwischen der Regierung und der anti-westlichen Opposition spitzt sich weiter zu.

Beirut
In Hauptstadt Beirut geht die libanesische Armee in Stellung. -Foto: AFP

BeirutEinen Tag nach den schweren Ausschreitungen im Libanon mit neun Toten ist heute die Armee in Beirut aufgezogen. Die Truppen richteten Kontrollpunkte ein und überwachten vor allem die Zugänge zu den schiitischen Vierteln im Süden der libanesischen Hauptstadt. Die Proteste am gestrigen Sonntag, die von jugendlichen Anhängern der schiitischen und pro-syrischen Bewegungen Amal und Hisbollah ausgingen, hatten sich gegen die häufigen Stromabschaltungen in den eher ärmeren Schiiten-Vierteln gerichtet.

Bei den Zusammenstößen waren nach Krankenhausangaben außerdem 49 Menschen verletzt worden. Die Proteste eskalierten, nachdem Jugendliche aus dem Schiiten-Viertel Mar Michial in das benachbarte Christen-Viertel Ain Rumneh vorgedrungen waren und dort Autos in Brand gesetzt sowie Steine und Handgranaten geworfen hatten. Die Sicherheitskräfte schritten ein und gaben Warnschüsse ab. Die tödlichen Schüsse auf Demonstranten seien jedoch "von bisher unbekannter Seite" abgefeuert worden, erklärte das Militär.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora erklärte den heutigen Montag zum Trauertag. Schulen und Universitäten blieben geschlossen, um ein neuerliches Aufflammen der Unruhen zu verhindern. Anti-syrische Politiker äußerten sich besorgt, dass die von Syrien und dem Iran unterstützte Opposition versuchen könnte, derartige Aktionen als Vorwand zu nutzen, um die pro-westliche Regierung von Siniora zu Fall zu bringen.

Politisch steckt das Land seit mehr als einem Jahr in der Krise, weil sich pro- und anti-syrische Kräfte nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen können. So können sich beide Seiten seit Monaten nicht auf einen Nachfolger für Präsident Émile Lahoud verständigen, dessen Amtszeit im November abgelaufen ist. (jam/dpa)

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