Libanon : Islamisten rufen einseitige Waffenruhe aus

Nach erneuten Gefechten mit der libanesischen Armee hat die islamistische Gruppe Fatah al Islam eine einseitige Waffenruhe ausgerufen. Sie dementierte, hinter zwei Bombenanschlägen in Beirut zu stehen.

Beirut - Mit der Waffenruhe werde auf das Leid der Zivilisten im palästinensischen Flüchtlingslager Nahr al Barad Rücksicht genommen, sagte ein Sprecher der Gruppe Fatah al Islam. Auf das Lager konzentrierten sich seit Ausbruch der Gewalt am Sonntag die Kampfhandlungen, bei denen 58 Menschen starben. Der Führer der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Libanon warnte vor einem Aufstand in den Flüchtlingslagern.

Die Waffenruhe gelte ab 14:30 Uhr (Ortszeit; 13:30 Uhr MESZ), sagte der Sprecher von Fatah al Islam, Abu Salim Taha. Er drohte mit einer Fortsetzung des Kampfes bis zum "letzten Bluttropfen", sollte die Armee nicht ihre Waffen ruhen lassen. Auf die Frage nach Gefallenen in den Reihen der Aufständischen sagte der Sprecher: "Das ist kein Problem für uns. Das Problem ist, dass die Zivilisten (die Kämpfe) nicht länger aushalten."

Fatah al Islam dementiert Urheberschaft der Anschläge

Taha dementierte ein Bekennerschreiben, in dem sich die Gruppe angeblich zu zwei Bombenanschlägen in Beirut bekannt hatte. Die Erklärung, die am Vormittag mehreren Nachrichtenagenturen zugegangen war, stamme nicht von Fatah al Islam, sagte er. Die Verfasser hatten sich im Namen der islamistischen Gruppe für zwei Anschläge in der libanesischen Hauptstadt in den Vortagen die Verantwortung übernommen. Bei diesen gab es ingesamt ein Todesopfer und 20 Verletzte.

Die Ausrufung der Waffenruhe verlieh den Hoffnungen auf ein dauerhaftes Ende der Gewalt neuen Auftrieb. Schon am Montagabend hatten die Konfliktparteien unter Vermittlung der sunnitischen Organisation Dschamaa Islamija über einen Waffenstillstand verhandelt. Eine Einigung stehe kurz bevor, hieß es zunächst. Am Dienstagvormittag beschossen sich beide Seiten aber aus ihren Stellungen in und um Nahr al Barad wieder für einige Stunden, bevor die Gefechte gegen Mittag abflauten. Seit Beginn der Kämpfe - den schwersten seit Ende des Bürgerkrieges 1990 - sind 58 Menschen ums Leben gekommen.

Unruhen in Zusammenhang mit Beratungen des UN-Sicherheitsrats?

Syrien brachte den Gewaltausbruch in Zusammenhang mit dem geplanten internationalen Tribunal zur Untersuchung des Mordanschlags auf Libanons früheren Regierungschef Rafik Hariri. Kurz vor jeder Beratung des UN-Sicherheitsrats über die Krise im Libanon gebe es regelmäßig Unruhen, sagte der syrische UN-Botschafter Baschar Dschaafari am Montagabend. Damit werde versucht, den Sicherheitsrat unter Druck zu setzen, sagte Dschaafari ohne weitere Erläuterungen.

Hariri war im Februar 2005 bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet worden, als der Libanon weitgehend von Syrien kontrolliert wurde. Damaskus wies mehrfach Erkenntisse von UN-Ermittlern zurück, in den Anschlag verwickelt gewesen zu sein.

Der syrische Außenminister Walid Muallem stritt erneut Berichte über Verbindungen seines Landes zu Fatah al Islam ab. "Mitglieder der Gruppe werden von den syrischen Sicherheitsdiensten gesucht", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Dienstag Muallem.

Der Führer der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Libanon, Sultan Abul Ainain, warnte vor einem Aufstand in den palästinensischen Flüchtlingslagern, solle die libanesische Armee den Beschuss von Nahr al Barad fortsetzen. "Kein Palästinenser, keine palästinsische Gruppe im Libanon wird akzeptieren, dass das palästinensische Volk in einer Kollektivbestrafung massakriert wird", sagte Ainain. Fatah und Fatah al Islam stehen trotz ihrer ähnlichen Namen nicht in Verbindung zueinander. (tso/AFP)

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