Libanon-Krieg : 900 Tote und 3000 Verletzte durch Israels Offensive

Libanesische Regierungsvertreter haben eine erste Bilanz der israelischen Militäroffensive gezogen. Demnach sind 900 tote Libanesen zu beklagen; rund 3000 wurden verletzt.

Putrajaya - Seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Südlibanon am 12. Juli sind nach libanesischen Angaben 900 Menschen getötet worden. Darüber hinaus gebe es 3000 Verletzte, sagten offizielle Vertreter des Libanon beim Treffen der Mitgliedstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in Malaysia. Rund ein Drittel der Opfer seien Kinder unter zwölf Jahren, sagte ein Vertreter des libanesischen Außenministeriums.

Die OIC-Mitgliedstaaten forderten eine sofortige Waffenruhe. Der UN-Sicherheitsrat solle seiner Verantwortung für weltweiten Frieden und Sicherheit «ohne weitere Verzögerung» nachkommen und einen «unverzüglichen und umfassenden Waffenstillstand» fordern, hieß es im Entwurf zur OIC-Abschlusserklärung. «Wir sind fest davon überzeugt, dass es keine Straffreiheit geben darf.» Israel müsse dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass es gegen die weltweit geltenden humanitären Rechte und Menschenrechte verstoße.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora rief in einer Video-Ansprache die OIC-Mitglieder auf, seinem Sieben-Punkte-Plan zur Beilegung des Konfliktes mit Israel trotz der Vorbehalte des Iran und Syriens zuzustimmen. Der Plan sieht unter anderem eine sofortige Waffenruhe, einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah sowie die Stationierung der libanesischen Armee im Süden des Landes vor, wo seit dem Mai 2000 Hisbollah-Kämpfer ihre Stellungen haben. Auch sollen die UNO-Einheiten gestärkt, das israelisch-libanesische Waffenstillstandsabkommen von 1949 reaktiviert und die Hisbollah de facto entwaffnet werden.

Bei dem eintägigen Krisentreffen der islamischen Staaten in Malaysia, an dem auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad teilnahm, berieten fast 20 OIC-Mitgliedstaaten über den Konflikt im Libanon. Ahmadinedschad, der vor genau einem Jahr sein Amt antrat, sagte, die eigentliche Lösung des Konfliktes bestehe in der «Beseitigung des zionistischen Regimes».

Der OIC-Vorsitzende und malaysische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi erklärte, die Militäroffensive Israels habe so viel Empörung ausgelöst, dass eine «neue Welle» des Terrorismus drohe. Die Moslems seien selbst in den moderaten Ländern in Aufruhr. (tso/AFP)

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