Libanon-Krieg : Boden-Offensive geht weiter

Obwohl sogar die Hisbollah der in der Nacht verabschiedeten Uno-Resolution wohlwollend gegenüber steht, hat Israel seine Boden-Offensive im Libanon noch ausgeweitet.

Jerusalem/Berlin - Ungeachtet der UN-Resolution für eine Beendigung der Kämpfe im Nahen Osten hat Israel seine Bodenoffensive im Südlibanon ausgeweitet. Die Militäraktion laufe zeitlich "unbefristet", sagte der israelische Regierungssprecher Avi Pasner. Libanon und Israel müssten erst der Resolution zustimmen und dann über den Zeitpunkt der darin geforderten Waffenruhe verhandeln. Die libanesische Hisbollah will nach den Worten ihres Führers Hassan Nasrallah die von der Uno geforderte Waffenruhe respektieren. SPD-Chef Kurt Beck ist offen für einen Einsatz der Bundeswehr in Nahost. "Es wird sicher kein Nein geben", sagte Beck der ARD.

Das libanesische Kabinett billigte am Abend den Resolutionstext. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert wollte laut seinem Sprecher die UN-Resolution am Sonntag zur Billigung im Kabinett vorlegen. Dies bedeutet aus israelischer Sicht jedoch nicht das Inkrafttreten einer sofortigen Waffenruhe. Die Uno forderte Israel und die Hisbollah auf, unmittelbar nach einer Billigung der Entschließung die Kämpfe einzustellen.

Bodenoffensive könnte noch "Wochen dauern"

Israels Regierungssprecher Pasner sagte, nach der Zustimmung von Israel und Libanon zur UN-Resolution müssten erst die "Diskussionen über die Modalitäten für eine Waffenruhe, vor allem deren Beginn", eröffnet werden. Die Bodenoffensive könnte noch "Wochen dauern", warnte der Armeechef im Norden Israels, Alon Friedman.

Nasrallah erklärte im Hisbollah-Sender El Manar, die Hisbollah werde der Zustimmung der libanesischen Regierung zu der Resolution nicht im Wege stehen, auch wenn der Text "ungerecht" sei. Solange sich israelische Truppen im Südlibanon befänden, sei aber "der Krieg noch nicht beendet".

Resolution 1701 beschlossen

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Freitagabend einstimmig die Resolution 1701 beschlossen, in der die Hisbollah aufgefordert wird, den Beschuss israelischen Gebiets einzustellen. Auf der anderen Seite solle Israel seine "offensiven Militäroperationen" beenden und sich aus dem Südlibanon zurückziehen. Nach der von Frankreich und den USA ausgearbeiteten Resolution soll die UN-Mission im Libanon (Unifil) verstärkt werden und zusammen mit der libanesischen Armee die bislang von der Hisbollah dominierte Grenzregion unter Kontrolle bringen.

Die Uno erwarte eine sofortige Waffenruhe, sobald die Regierungen in Israel und Libanon die Nahost-Resolution gebilligt hätten, sagte der UN-Vertreter im Libanon, Geir Pedersen. UN-Generalsekretär Kofi Annan beklagte die langwierigen Verhandlungen im Sicherheitsrat. US-Präsident George W. Bush begrüßte die Resolution. Laut seinem Sprecher Tony Snow beriet er mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Fiad Siniora weitere Schritte. Der britische Premier Blair forderte ein sofortige Waffenruhe nach einer Annahme der Resolution.

Merkel: Schnelle Umsetzung nötig

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Libanon-Resolution. Jetzt komme es darauf an, dass sie schnell und konsequent umgesetzt werde, sagte Merkel laut einem Sprecher in Berlin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die Regierungen in Israel und dem Libanon auf, der UN-Resolution "ohne Zeitverzug zuzustimmen".

Mit Blick auf eine deutsche Beteiligung an der Umsetzung eines Friedensplans verwies SPD-Chef Beck in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" in erster Linie auf Möglichkeiten, die ein direktes Aufeinandertreffen deutscher und israelischer Soldaten ausschließen würden, zum Beispiel eine "Sicherung von Seeseite her". Kritisch äußerte sich Beck zur neuen Militäroffensive Israels.

Wenige Stunden nach dem Beschluss des UN-Sicherheitsrats weitete Israel seine Bodenoffensive im Libanon aus. Die 10.000 bereits eingesetzten Soldaten wurden nach Angaben von Generalstabschef Dan Halutz auf das Dreifache verstärkt. Bei israelischen Luftangriffen wurden laut Polizei fünf Zilivisten getötet. Der Hisbollah-Fernsehsender meldete den Tod von vier israelischen Soldaten im Südlibanon. Die israelische Armee teilte mit, mehr als 30 Hisbollah-Milizionäre seien getötet worden. 60 israelische Soldaten hätten Verletzungen erlitten. (tso/AFP)

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