Libanon-Krieg : Israelische Truppen rücken vor

Nur wenige Stunden nach dem Beschluss zur Ausweitung der Bodenoffensive sind die israelischen Truppen kilometerweit in den Südlibanon vorgerückt.

Jerusalem/New York - Israelische Einheiten seien in der Nacht zu Donnerstag aus Metulla im Norden Israels rund sieben Kilometer vorgerückt und stünden vor der Stadt Chiam im Südostlibanon, sagte ein libanesischer Polizeioffizier. Armee und Hisbollah-Miliz setzten nach Armeeangaben ihre heftigen Kämpfe fort. Allein am Mittwoch starben 15 israelische Soldaten. Im Ringen um einen Resolutionsentwurf schlug Frankreich einen schrittweisen Abzug Israels mit Beginn einer Waffenruhe vor.

Die Truppen drangen nach Chiam vor, weil sich dort nach Angaben des Offiziers Hisbollah-Kämpfer verschanzt hielten. Die Kämpfer schössen Panzerabwehrraketen ab, während die israelische Luftwaffe sie bombardiere. Der israelische Privatsender Kanal 10 hatte zuvor ebenfalls von massiven Truppenbewegungen berichtet. Die israelische Armee bestritt, dass die Ausweitung der Bodenoffensive bereits begonnen habe und sprach von einer "punktuellen Operation". Von Chiam aus hatte die Hisbollah am Mittwoch mehr als 60 Katjuscha-Raketen abgefeuert.

Israel bestätigte, dass allein am Mittwoch 15 israelische Soldaten getötet und 38 weitere verletzt worden seien. Bei einem israelischen Raketenangriff in Gaza starben nach palästinensischen Angaben drei Menschen, unter ihnen ein vierjähriges Mädchen.

Frankreichs Vorschlag sehe vor, dass mit Beginn eines Waffenstillstands der Abzug der israelischen Truppen beginne, hieß es aus diplomatischen Kreisen. In einem Abschnitt des neuen Entwurfs heiße es, dass die libanesischen Truppen im Südlibanon aufgestellt werden sollten, wenn die israelischen Soldaten sich hinter die sogenannte blaue Linie zurückzögen. Das ist die De-Facto-Grenze zwischen Libanon und Israel. Die USA hätten dem Vorschlag noch nicht zugestimmt.

Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sprachen von langsamen Fortschritten bei dem neuen Resolutionsentwurf. Auch wenn die Probleme noch nicht gelöst seien, "die Diskussion war produktiv", sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, am Mittwochabend. Er habe das Gefühl, "dass wir uns bei den Lösungswegen annähern, aber ich möchte die Schwierigkeiten nicht unterschätzen". Die UN-Botschafter von China, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA wollten ihre Beratungen am Donnerstagmorgen fortsetzen.

Nasrallah will weiter "Druck ausüben"

Der Anführer der schiitischen Hisbollah-Miliz, Hassan Nasrallah, begrüßte das Angebot der libanesischen Regierung, die ihre eigenen Soldaten in den Südlibanon entsenden will. Wenn der Libanon bereit sei, 15.000 Mann "in den gesamten Südlibanon" zu schicken, werde dies dem Land und seinen Freunden sehr helfen, sagte Nasrallah in einer Ansprache, die der Hisbollah-Sender Al Manar und weitere libanesische Fernsehsender am Mittwoch ausstrahlten. Es werde dabei helfen, "Druck auszuüben", damit der Entschließungsentwurf für den UN-Sicherheitsrat überarbeitet werde. Dies wiederum werde "den Weg für eine politische Lösung der Krise" freimachen.

Nasrallah forderte die arabischen Bewohner der israelischen Hafenstadt Haifa auf, die Stadt zu verlassen. Die Anwesenheit der Araber habe die Miliz bisher zögern lassen, die Stadt anzugreifen. Seit Beginn der israelischen Offensive war die drittgrößte israelische Stadt allerdings wiederholt das Ziel von Raketenangriffen der Hisbollah gewesen. (tso/AFP)

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