Libanon-Krieg : Neuer Bericht belastet Olmert

Der zweite Bericht des israelischen Rechnungshofs zum Libanon-Feldzug im letzten Jahr könnte Premier Olmert endgültig das Amt kosten. Darin würden "nie dagewesene Vorwürfe" laut, hieß es vorab in israelischen Medien.

Olmert
Kriegsherr Ehud Olmert: Nach dem fehlgeschlagenen Libanon-Feldzug glaubt kaum ein Israeli noch an die militärische Kompetenz der...Foto: AFP

JerusalemDer israelische Ombudsmann Micha Lindenstrauss hat in seinem am Mittwoch vorgelegten Bericht über den Libanon-Krieg im vergangenen Sommer ein Versagen des Zivilschutzes bemängelt. Die Bewohner der Nordgebiete Israels, die während des 34-tägigen Konflikts dem Raketenbeschuss der radikal-schiitischen Hisbollah- Miliz aus dem Libanon ausgesetzt waren, seien dem Kriegsgeschehen "in ihrer Verletzlichkeit schutzlos ausgeliefert" gewesen.

Mit ihrer Konzentration auf das Kriegsgeschehen im Südlibanon hätten die Verantwortlichen in Regierung und Militär die "Heimatfront" vernachlässigt, heißt es in dem für das israelische Parlament ausgearbeiteten Bericht weiter. Infolgedessen sei dort ein "Vakuum" entstanden, das auch zu einer "Schwächung der Stimmung" unter der betroffenen Bevölkerung geführt habe.

Bevölkerung in den Bunkern nur unzureichend versorgt

Während des Kriegs vor einem Jahr hatte die Hisbollah rund 3900 Raketen auf Israel abgeschossen. Bei diesen Angriffen wurden 41 israelische Zivilisten und 119 Soldaten getötet, mehrere Hundert Menschen erlitten Verletzungen. Schon damals war in Israel Kritik an Regierung und Militärführung aufgekommen, weil die Menschen im Norden, die oft viele Tage im Bunker verbringen mussten, nicht ausreichend versorgt wurden. "Den zu erwartenden Schäden an der 'Heimatfront' gingen von Seiten der Regierung und des Militärs keine Aktionen und keine umfassenden, systematischen Vorbereitungen voraus", hält der Bericht von Lindenstrauss fest.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert kritisierte das Dokument umgehend als "oberflächlich" und von der Motivation angetrieben, "öffentliche Aufmerksamkeit und Medien-Schlagzeilen auf sich zu ziehen". Olmert war zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Kriegs am 12. Juli des Vorjahrs knapp drei Monate im Amt gewesen. Der Bericht von Lindenstrauss beleuchtete lediglich die zivile Seite des Konflikts. Die weiteren politischen und militärisch- strategischen Fehler und Versäumnisse werden in Israel von der Winograd-Kommission untersucht, deren Endbericht in den kommenden Wochen erwartet wird. (mit dpa)

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