Libanon-Krieg : Wieder Luftangriffe auf Beirut

Israel hat die Angriffe auf mutmaßliche Stellungen der Hisbollah im Libanon in der Nacht noch verstärkt. Unterdessen zeichnet sich im UN-Sicherheitsrat eine Einigung auf eine gemeinsame Resolution ab.

Beirut - Nach mehrtägiger Unterbrechung hat Israels Luftwaffe in der Nacht zum Donnerstag erneut mutmaßliche Stellungen der radikalislamischen Hisbollah in Beirut angegriffen. Zudem verstärkte die Armee ihre Bodenoffensive. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats rangen weiter um eine gemeinsame Resolution; dabei gab es Diplomaten zufolge eine Annäherung zwischen Frankreich und den USA. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert knüpfte ein Ende der Kämpfe erneut an die Entsendung einer «soliden» internationalen Friedenstruppe in die Krisenregion. Verteidigungsminister Amir Peretz betonte, sein Land werde keinem Druck aus dem Ausland nachgeben.

Auch Angriffe an der Grenze zu Syrien

Nach libanesischen Polizeiangaben wurde ein südlicher Vorort Beiruts bombadiert, der als Hochburg der Hisbollah-Miliz gilt. Innerhalb weniger Minuten seien drei Explosionen zu hören gewesen. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Den Angaben zufolge flog die israelische Luftwaffe auch Angriffe im Nordlibanon an der Grenze zu Syrien, zudem wurden Ziele in der Region um die Städte Tyrus und Saida sowie in der Bekaa-Ebene beschossen. Libanesischen Angaben zufolge starben mindestens sieben Zivilisten und ein Soldat. Nach dem Angriff auf das Dorf Kana, bei dem vergangene Woche mindestens 52 Zivilisten getötet worden waren, hatte Israel die Luftangriffe für 48 Stunden teilweise ausgesetzt.

Nach Angaben der israelischen Armee gab es im Dorf Aita el Schaab im Grenzgebiet am Mittwoch heftige Kämpfe mit Hisbollah-Milizen. Dabei seien ein israelischer Soldat getötet und vier weitere verletzt worden. Trotz des hohen militärischen Drucks Israels dauerte der Widerstand der Hisbollah an: Am Mittwoch wurden insgesamt rund 230 Raketen auf Nordisrael abgefeuert, so viele wie noch nie seit Beginn der Kämpfe. Einige Geschosse schlugen erstmals etwa 60 Kilometer von der Grenze entfernt ein. Die Hisbollah dementierte Berichte, denenzufolge die israelische Armee in Baalbeck im Ostlibanon fünf ihrer Mitglieder mit Hubschraubern entführte.

Annäherung im UN-Sicherheitsrat

Im Ringen um eine gemeinsame Resolution des UN-Sicherheitsrats in dem Konflikt gab es offenbar eine Annäherung zwischen den USA und Frankreich. Man arbeite inzwischen «an einem einzigen Text für einen Entschließungsentwurf», sagte US-Außenamtssprecher Sean McCormack. Die US-Regierung hoffe, dass die Resolution in den kommenden Tagen vorgelegt werden könne. Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablière sagte, man sei einer Einigung «sehr viel näher» gerückt. Die USA beharrten bislang darauf, dass erst dann ein Waffenstillstand gefordert werden könne, wenn Israel, Libanon und die Hisbollah-Miliz sich politisch geeinigt hätten. Frankreich fordert erst eine sofortige Waffenruhe und dann eine politische Vereinbarung.

Olmert bezeichnete in der Zeitung «Financial Times» die Entsendung einer soliden internationalen Friedenstruppe erneut als Voraussetzung für ein Ende der Feindseligkeiten. Eine Truppe von rund 15.000 Soldaten sei notwendig, um den Raketenbeschüssen der Hisbollah auf Israel ein Ende zu setzen. Die Mission müsse aus «echten Soldaten» bestehen und nicht aus «Rentnern, die ein paar ruhige Monate im Libanon verbringen wollen», betonte der Ministerpräsident in der Zeitung «The Times».

Peretz: Israel wird Druck nicht nachgeben

Peretz bekräftigte mit Blick auf eine Resolution des UN-Sicherheitsrats, Israel werde bei dem Militäreinsatz keinem Druck aus dem Ausland nachgeben. Olmert sagte, die Dauer der Offensive hänge stark von der «Natur der UN-Entschließung» ab.

Die Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) kritisierten bei einem Krisentreffen in Malaysia scharf die «parteiische Haltung» der internationalen Gemeinschaft. Die islamische Welt sei empört, sagte OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu. Es wurde erwartet, dass die etwa 20 teilnehmenden Staaten die israelische Offensive verurteilen und einen sofortigen Waffenstillstand fordern würden. (tso/AFP)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar