Libanon : Schwere Anschläge in Tripoli

Der syrische Bürgerkrieg greift erneut auf das Nachbarland Libanon über: Vor Moscheen von Assad-Gegnern vielen Bomben - dutzende Menschen starben.

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Der syrische Bürgerkrieg greift erneut auf das Nachbarland Libanon über: Vor Moscheen von Assad-Gegnern fielen Bomben - dutzende Menschen starben.
Der syrische Bürgerkrieg greift erneut auf das Nachbarland Libanon über: Vor Moscheen von Assad-Gegnern fielen Bomben - dutzende...Foto: AFP

Kairo - Zwei Tage nach der Giftgas-Tragödie in Damaskus greift der syrische Bürgerkrieg erneut auf das Nachbarland Libanon über. In der Hafenstadt Tripoli explodierten während des Freitagsgebets zwei simultan gezündete Megabomben vor zwei sunnitischen Moscheen, die als Zentren für radikale Assad-Gegner gelten. Nach ersten Berichten starben mindestens 42 Menschen, und mehr als 500 wurden verletzt, die Zahl der Opfer dürfte jedoch wesentlich höher liegen.

Dichte schwarze Rauchwolken standen über den Anschlagsorten, in Panik versuchten sich Anwohner und Autofahrer in Sicherheit zu bringen. Einige Opfer wurden in ihren zerfetzten Autos eingeklemmt und verbrannten bei lebendigem Leib. „Es war wie ein Erdbeben, die ganze Stadt schien zu wanken“, berichtete ein Augenzeuge der libanesischen Zeitung „Daily Star“. Nach Angaben des Gesundheitsministers Ali Hassan Khalil verursachten die Explosionen „weitflächige Zerstörungen“ im Stadtgebiet. Bis zum Abend bekannte sich niemand zu der Tat, die jedoch eine Racheaktion sein könnte für die verheerende Autobombe vor einer Woche in Süd-Beirut, wo die Hisbollah ihre Hochburg hat. Damals riss ein Selbstmordattentäter 27 Menschen mit in den Tod, 336 wurden verletzt. Die Hisbollah unterstützt mit mehr als 2000 Elitekämpfern Assads Truppen in Syrien. Die Verbände der schiitischen Organisation sind auch an den Kämpfen rund um Damaskus beteiligt, bei denen am Mittwoch zwischen 500 und 1300 Menschen offenbar durch einen Giftgaseinsatz starben.

In der Al-Taqwa-Moschee von Tripoli, deren Dach teilweise einstürzte, predigte zum Zeitpunkt der Explosion der radikale Scheich Salem al Rafai, der bereits im Frühjahr 2011 zum Sturz von Syriens Präsident Baschar al Assad aufrief und seitdem regelmäßig junge sunnitische Libanesen zum heiligen Krieg in Syrien anstachelt. Nach Angaben aus seiner Umgebung blieb der 46-Jährige unverletzt. Rafai wurde 2005 nach 18 Jahren aus Berlin abgeschoben, weil in den Räumen seiner Neuköllner Moschee Kampfsportübungen stattgefunden haben sollen. Die zweite Bombe galt der Salam Moschee, wo ebenfalls ein salafistischer Scheich predigte. Am Nachmittag versammelten sich aufgebrachte Anhänger der beiden radikalen Kleriker und skandierten mit Sturmgewehren in der Hand Slogans gegen Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah.

Tripoli wird seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs von kriegsähnlichen Straßenkämpfen erschüttert zwischen der Mehrheit der 200 000 Sunniten und der Minderheit von 30 000 Alawiten, die alle auf einem einzigen Stadthügel wohnen. Die alawitisch-schiitische Minderheit steht treu zum syrischen Diktator Baschar al Assad. Ihre Enklave ist gepflastert mit Assad-Plakaten und Hymnen auf dessen Regime. In den vergangenen anderthalb Jahren starben bei den Häuserkämpfen mehr als 400 Menschen.

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