Politik : Libanon: Syrer gehen, Syrer bleiben

Andrea Nüsse

Die syrische Präsenz in Beirut bleibt erhalten: Hunderttausende syrische Gastarbeiter verdienen meist in unqualifizierten Jobs ihren Lebensunterhalt, da in der Heimat die Arbeitslosigkeit bei 40 Prozent liegt. Doch syrische Uniformen wird es in Zukunft in der libanesischen Hauptstadt nicht mehr geben: In der Nacht zum Donnerstag hat Syrien überraschend mit dem Abzug seiner Truppen aus Beirut begonnen. Nach libanesischen Angaben werden die Truppen nach Dhour Choueir etwa 20 Kilometer außerhalb Beiruts verlegt. Damit ist Syrien immer noch mit rund 26 000 Soldaten im Nachbarland vertreten, doch an symbolischen Orten libanesischer Souveränität wie dem Verteidigungsministerium und dem Präsidentenpalast in Beirut wird nun allein die libanesische Armee für Ruhe sorgen.

Christliche Politiker, die die syrische Militärpräsenz seit vergangenem Herbst kritisiert hatten, zeigten sich erfreut. Die libanesischen Christen hatten Mitte der 70er Jahre das Eingreifen der syrischen Truppen in den libanesischen Bürgerkrieg gefordert, in dem sie gegen Palästinenser und Muslime zu unterliegen drohten. Seitdem sind die syrischen Truppen in Libanon - das nach Ansicht vieler Beobachter faktisch von Syrien kontrolliert wird.

Entsprechend dem Friedensabkommen von Taif in Saudi-Arabien hätten die Truppen sich nach der Verabschiedung einer neuen libanesischen Verfassung 1990 in die Bekaa-Ebene zurückziehen müssen. Dies hat Syrien aber nicht getan. Offiziell wurde die syrische Militärpräsenz mit der Bedrohung gerechtfertigt, die von Israel ausgeht, das den Südlibanon besetzt hatte. Nach dem Abzug der israelischen Armee im vergangenen Mai wurde in Libanon der Ruf nach dem Abzug der Syrer immer lauter. Insbesondere die Christen werfen Syrien vor, das Nachbarland, das historisch einmal zu Groß-Syrien gehört hat, noch immer de facto zu regieren.

Weitere Sicherheitsgespräche

Israel hat die Einhaltung der Waffenruhe am Freitag von einem Gewaltverzicht auf palästinensischer Seite abhängig gemacht. Das teilte das Büro von Ministerpräsident Scharon mit. Zuvor waren einige Blockaden im Gazastreifen und im Westjordanland aufgehoben worden. Die jüngste Vereinbarung zur Eindämmung der Gewalt im Nahost-Konflikt war auf Vermittlung von CIA-Chef George Tenet getroffen worden.

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