Libanon : UN-Hilfskonvoi unter Beschuss

Im Südlibanon ist ein UN-Hilfskonvoi unter Beschuss geraten. Dabei wurde das Fahrzeug eines deutschen Journalisten-Teams getroffen. Die UN zieht derweil ihre Beobachtertruppen ab.

Berlin/Tyrus/Beirut/New York - Die N24-Reporterin Katrin Sandmann sei bei dem Zwischenfall unverletzt geblieben, sagte der Chefredakteur Aktuelles, Jörg Harzem. Nach Informationen des Senders wurden allerdings ein libanesischer Fahrer und ein Kameramann aus Jordanien leicht verletzt.

Der Konvoi aus etwa 40 Autos sei auf dem Rückweg in die Hafenstadt Tyrus gewesen, als der Beschuss einsetzte, sagte Harzem. Inzwischen befänden sich die Journalisten alle im Unifil-Hauptquartier im südlibanesischen Nakura.

Nach Informationen des Senders befand sich das Fahrzeug am Ende des Konvois, als in unmittelbarer Nähe eine vermutlich israelische Mörsergrante explodierte. Von den umherfliegenden Splittern hätten einige Personen in dem Konvoi leichte Prellungen und Schürfwunden erlitten. Das Journalistenteam warte nun darauf, mit dem nächsten Konvoi nach Beirut zu kommen.

Uno zieht Beobachter ab

Die Uno hat Konsequenzen aus dem tödlichen Angriff auf ihre Militärbeobachter im Süden des Libanon gezogen. Wegen der anhaltenden Gefährdung durch israelische Armeeangriffe seien vier Stützpunkte von unbewaffneten UN-Beobachtern vorübergehend evakuiert worden, teilte UN-Sprecher Milos Strugar in Beirut mit. In New York verständigten sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats nach zähem diplomatischen Ringen auf eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich «zutiefst schockiert» über den Tod von vier Blauhelmsoldaten bei einem israelischen Angriff am Dienstag zeigten. Eine ausdrückliche Verurteilung Israels scheiterte am Widerstand der USA.

Die unbewaffneten UN-Beobachter im Südlibanon seien «aus Sicherheitsgründen» vorübergehend von ihren Posten abgezogen worden, sagte der UN-Sprecher. Zwei der Posten seien bereits seit Tagen verwaist: Einer wurde verlassen, nachdem ein Beobachter durch Hiosbollah-Beschuss verletzt worden sei, der zweite wurde bei dem tödlichen israelischen Angriff zerstört. Zusätzlich sei nun das Personal von zwei weiteren Posten abgezogen worden. Nach Angaben der dänischen Armee, die an der Mission beteiligt ist, sollen sich die Beobachter am Hauptquartier der UN-Beobachtermission Unifil in Nakura im Süden Libanons zusammenzuziehen.

Israel: "Sehr faire und ausgewogene Erklärung"

Das tagelange Ringen im UN-Sicherheitsrat über eine gemeinsame Stellungnahme zu dem tödlichen Angriff auf den UN-Posten zeigte die Uneinigkeit der Staatengemeinschaft bei der Bewertung des israelischen Vorgehens im Libanon. Auf Druck der USA wurde aus dem Resolutionsentwurf ein Absatz gestrichen, der «jegliche absichtliche Angriffe auf UN-Personal» verurteilte und eine Beteiligung der Uno an den Ermittlungen zu dem Vorfall forderte. Er wurden lediglich «Israel und alle anderen beteiligten Seiten» zur Einhaltung des Völkerrechts und zum Schutz des UN-Personals gemahnt.

Israels UN-Botschafter Dan Gillerman begrüßte den Text als «sehr faire und ausgewogene Erklärung». Bittere Kritik kam hingegen von China. Chinas UN-Botschafter Wang Guangya sagte, der ursprüngliche Entwurf sei «zu einem Minimum verwässert» worden. Es gebe deswegen «Frustration - und diese wird definitiv Auswirkungen auf die Arbeitsbeziehungen im Sicherheitsrat haben», sagte Wang mit Blick auf eine mögliche UN-Resolution zur iranischen Atomkrise. Andere UN-Diplomaten sagten, die späte Reaktion sei peinlich für den UN-Sicherheitsrat. Einer der vier getöteten UN-Beobachter stammte aus China. Die Volksrepublik drängte deshalb auf eine Verurteilung Israels.

Erstmals iranische Raketen abgeschossen

Im Süden Libanons lieferte sich die israelische Armee auch am Freitag schwere Kämpfe mit der Hisbollah. In der seit fünf Tagen umkämpften Ortschaft trafen die Soldaten weiterhin auf Widerstand. Die Luftwaffe flog erneut Angriffe auf den Hisbollah-Stützpunkt. Nach libanesischen Polizeiangaben gingen in der Gegend 150 israelische Raketen nieder. In der Bekaa-Ebene flog die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Freitag mehr als 60 Angriffe. In Israel schlugen am Freitag nach Armeeangaben etwa 50 Raketen ein, die im Libanon abgefeuert wurden. Dabei seien drei Menschen im Norden des Landes verletzt worden. Nach TV-Angaben schoss die Hisbollah erstmals Raketen iranischer Fabrikation auf Israel.

In Deutschland sorgte die Frage einer Beteiligung an einer internationalen Schutztruppe im Nahen Osten weiter für Kontroversen quer durch die Parteien gesorgt. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte im WDR, sie sei keineswegs gegen den Einsatz von Bundeswehrsoldaten. Dieser müsse aber von «allen Seiten» gewünscht sein. Demgegenüber sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Bernd Siebert (CDU), Deutschland solle wegen des besonderen Verhältnisses zu Israel Möglichkeiten ausloten, sich nicht daran zu beteiligen.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD) signalisierte, dass sich Berlin um eine Freilassung der entführten israelischen Soldaten bemühen wolle, um so die Lage im Nahen Osten zu entspannen. Die Bundesregierung habe dazu drei Erkundungsteams nach Beirut, Damaskus und zu den Vereinten Nationen nach New York geschickt. (tso/AFP/ddp)

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