Politik : Libanon und Syrien einigen sich auf Truppenrückzug

Syrien will seine Truppen in Libanon bis Ende März in die östliche Landeshälfte verlegen. Danach soll über den endgültigen Abzug der Soldaten entschieden werden. Darauf einigten sich der syrische Präsident Baschar al Assad und sein libanesischer Amtskollege Émile Lahoud.

Damaskus/Beirut (07.03.2005, 15:53 Uhr) - Augenzeugen beobachteten syrische Soldaten östlich von Beirut bei Abmarschvorbereitungen. Gleichzeitig ließ der Druck der libanesischen Opposition auf Syrien nicht nach. Mehr als eine Viertel Million Menschen demonstrierten am Montag in Beirut für einen vollständigen Abzug der syrischen Truppen aus Libanon. Die Demonstranten, begrüßten die Vereinbarung zwischen der syrischen und der libanesischen Regierung, die gesamten 14 000 syrischen Soldaten bis Ende März in der Bekaa-Hochebene zusammenzulegen. «Syrien zieht ab», rief die Menge auf dem Platz der Märtyrer, als die in Damaskus geschlossene Vereinbarung bekannt wurde.

Der christliche Oppositionsabgeordnete Pierre Gemayel bezweifelte derweil, dass mit der Vereinbarung von Damaskus der Truppenabzug besiegelt ist: «Sie haben keinen Zeitplan aufgestellt». Die Syrer «taktieren» weiter, meinte Gemayel. Am Samstag hatte Assad unter internationalem Druck einen schrittweisen Rückzug seiner Soldaten aus dem Nachbarland angekündigt. Dabei hatte er jedoch noch keinen Zeitplan genannt. Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte am Montag in Berlin, die Ankündigung weise «in die richtige Richtung». Sie könne aber nur der erste Schritt sein. Jetzt müsse «die konkrete Ausgestaltung eines vollständigen Rückzuges syrischer Truppen aus dem Libanon festgelegt werden». Der wichtigste Wortführer der libanesischen Opposition, Walid Dschumblatt, kommt an diesem Dienstag mit Fischer in Berlin zusammen. Dies bestätigte das Auswärtige Amt.

Auch Frankreichs Staatschef Jacques Chirac verlangte am Montag bei den deutsch-französischen Konsulationen im nordrhein-westfälischen Blomberg noch einmal den völligen Rückzug der Soldaten und des Geheimdienstes Syriens aus Libanon. Die syrischen Truppen wurden zur Beendigung des damaligen Bürgerkrieges 1976 in das Nachbarland verlegt. Bereits im Vertrag von Taif im Jahr 1989 hatte Syrien zugesagt, seine Truppen innerhalb von zwei Jahren auf die Bekaa-Ebene und an seine Grenze zurückzuziehen. Der Totalabzug war späteren Verhandlungen zwischen beiden Seiten vorbehalten. Der Vertrag blieb aber Papier.

Wie am Montag bekannt wurde, gab es in Libanon erneut Übergriffe gegen syrische Arbeiter. In der Stadt Sidon wurden vier Arbeiter mit Holzlatten und Metallgegenständen angegriffen. Die syrienfreundliche Hisbollah-Bewegung setzte sich gleichzeitig für ein Verbleiben der syrischen Soldaten in Libanon ein. (tso)

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