Libanon : Wiederaufbau zerstörter Gebiete beginnt

Sieben Wochen nach Kriegsende kommt die Stabilisierung des Libanon voran. Erste Soldaten eines russischen Pionier-Bataillons trafen ein, um beim Wiederaufbau zerstörter Brücken zu helfen.

Berlin/Labbuneh - Für Mittwoch wurden die Schiffe der Bundesmarine zu ihrem historischen Friedenseinsatz in der Region erwartet. Am Montag war die libanesische Armee erstmals seit fast 40 Jahren wieder in die Grenzregion zu Israel eingerückt, um an der Seite der UN-Friedenstruppen (Unifil) neue Auseinandersetzungen zwischen Hisbollah und Israel zu verhindern. Bis auf wenige Soldaten hat Israels Armee das Grenzgebiet inzwischen verlassen.

Eine Transportmaschine der russischen Armee mit 25 Soldaten, Fahrzeugen und Ausrüstung an Bord landete auf dem Flughafen von Beirut; weitere 130 Soldaten sollen folgen. Insgesamt sollen rund 300 russische Soldaten sechs zerstörte Brücken in der Nähe der Hafenstadt Sidon wieder aufbauen. Ihr Einsatz steht außerhalb der Unifil-Mission. Es ist das erste Mal seit mehr als 230 Jahren, dass russische Truppen wieder im Libanon landen.

Deutsche Marine ab Mittwoch in Zypern

Nach Angaben eines Sprechers des Bundesverteidigungsministeriums sollten die ersten Schiffe der Bundesmarine am Mittwoch im Hafen von Limassol auf Zypern eintreffen. Dort sollen sie während ihres Einsatzes im Rahmen der UN-Friedensmission stationiert bleiben. Die insgesamt acht Schiffe mit tausend Bundeswehrsoldaten an Bord sollen vor der libanesischen Küste helfen, Waffenlieferungen an die radikalislamische Hisbollah-Miliz zu unterbinden.

Am Montag hatten libanesische Truppen in mehreren Ortschaften entlang der sogenannten blauen Linie zu Israel Stellung bezogen. Eine Einheit wurde auch südlich der Ortschaft Chiam stationiert, eine der Hochburgen der Hisbollah während ihres Kriegs mit Israel. Armeechef Michel Sleiman betonte bei der Fahnenzeremonie in der Nähe des Grenzorts Labbuneh, Aufgabe der Soldaten sei es, die Grenzen zu überwachen und "Angriffe und Waffenschmuggel" zu verhindern. Er räumte ein, dass seine Truppen dabei auf die Hilfe der UN-Blauhelme angewiesen seien. Der General forderte die Soldaten auf, auf neuerliche "Aggressionen" oder Waffenstillstandsverletzungen durch Israel zu reagieren.

Israelische Armee verlässt Libanon

Nach der Gefangennahme zweier Soldaten durch die Hisbollah hatte Israel Mitte Juli eine Militäroffensive gegen den Libanon gestartet. Seit Mitte August gilt ein Waffenstillstand, doch erst in der Nacht zum Sonntag zog die israelische Armee ihre Soldaten fast vollständig wieder ab. Nur im Dorf Ghadschar an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen blieben einige Soldaten stationiert. Laut einem libanesischen Offizier befanden sich am Montag noch zwölf Soldaten im libanesischen Teil der Ortschaft. Unifil-Kommandeur Alain Pellegrini appellierte an Israel, seine letzten Soldaten noch im Laufe der Woche abzuziehen. (tso/AFP)

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