Libanonkrieg : UN-Sicherheitsrat kommt nicht weiter

Trotz der täglich steigenden Zahl von Opfern auf beiden Seiten lässt eine diplomatische Lösung des Libanonkriegs weiter auf sich warten. Im UN-Sicherheitsrat wurden die Beratungen erneut vertagt.

New York/Beirut - Die Botschafter der fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat vertagten ihre Beratungen auf heute, nachdem ein Resolutionsentwurf Frankreichs und der USA auf Ablehnung der libanesischen Regierung gestoßen war. Derweil gingen die Kämpfe mit unverminderter Gewalt weiter. Israelische Kampfflugzeuge flogen in der Nacht zum Montag Dutzende Luftangriffe auf vermutete Stellungen der Hisbollah und Verbindungsrouten nach Syrien. Dabei starben nach Polizeiangaben elf Einwohner zweier südlibanesischer Dörfer.

Wie der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin nach den Beratungen mit seinen Kollegen in New York mitteilte, ist der Sicherheitsrat von einer Übereinkunft noch weit entfernt. Deshalb gebe es auch keinen Termin für eine Abstimmung. Tschurkin rief den Libanon und die arabische Welt auf, den Entwurf nochmals "aufmerksam" zu lesen. Er enthalte viele Punkte, die durchaus im Interesse Beiruts lägen. Deutlichere Formulierungen seien nicht möglich, wenn auch die israelische Seite die Resolution akzeptieren solle. Er betonte, für eine Lösung der Probleme gebe es nun einmal keinen "Zauberstab".

Nach langem Tauziehen hatten sich Frankreich und die USA am Wochenende auf einen gemeinsamen Resolutionsentwurf geeinigt. Er fordert eine vollständige Einstellung der Feindseligkeiten, der eine dauerhafte Waffenruhe und eine "langfristige" Lösung folgen sollen. Während Israel den Text begrüßte, lehnte die libanesische Regierung ihn ab. Sie kritisierte vor allem, dass weder ausdrücklich ein "sofortiger" Waffenstillstand noch der Rückzug der israelischen Truppen aus libanesischem Grenzgebiet gefordert wird.

Die Außenminister der Arabischen Liga wollten sich in Beirut treffen, um die Forderungen des Libanon zu unterstützen. Der syrische Außenminister Walid Muallem lehnte den Resolutionsentwurf bei seiner Ankunft in Beirut scharf ab. Er kündigte an, Damaskus sei zu einem "regionalen Krieg" bereit.

Das Weiße Haus kündigte eine Erklärung von Präsident George W. Bush an. Allgemein wurde damit gerechnet, dass er den UN-Sicherheitsrat zu einer Annahme des Resolutionsentwurfs drängen wollte. Wachsende Ungeduld mit der Blockade im UN-Rat zeigte US-Außenministerin Condoleezza Rice. "Lasst uns die Resolution doch einfach verabschieden", forderte sie im US-Fernsehsender ABC. Dann gäbe es zumindest eine Grundlage für weitere Fortschritte. Rice betonte, niemand wolle israelische Soldaten auf Dauer im Libanon sehen - nicht einmal Israel selbst. Der französische Präsident Jacques Chirac rief alle Seiten auf, ihre Verpflichtungen zu akzeptieren.

Israel setzt Bombardements fort

Die israelische Luftwaffe setzte unterdessen ihre Bombardements fort. Bei Angriffen auf die beiden südlibanesischen Dörfer Kfar Tebnit und Ghassanijeh zerstörten sie zwei Häuser, insgesamt elf Menschen starben nach Angaben der libanesischen Polizei in den Trümmern. Binnen einer Stunde flogen Kampfflugzeuge im Morgengrauen fünf Angriffe auf den südlichen Stadtrand von Beirut; in drei Vierteln stiegen dicke Rauchwolken auf. Im Osten des Landes bombardierten Kampfjäger mehrere Routen nach Syrien.

Nach blutigen Raketenangriffen der Hisbollah auf die nordisraelische Stadt Haifa, bei der am Sonntagabend drei Menschen starben und 160 laut Polizei verletzt wurden, zerstörten Kampfflieger mehrere Raketenwerfer der Hisbollah in der libanesischen Ortschaft Kana, von wo aus die Raketen abgefeuert wurden, wie eine Armeesprecherin mitteilte. Die Hisbollah berichtete von heftigen Kämpfen in der Nähe des südlibanesischen Dorfs Hula. Dabei habe sie drei israelische Soldaten und einen Offizier getötet. Die israelische Armee sprach dagegen von fünf Verletzten. (tso/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar