Politik : Liberalen-Chef Gerhardt sieht keinen Grund für einen Kurswechsel

Robert Birnbaum

FDP-Partei- und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt sieht trotz harter Kritik ehemaliger Spitzenliberaler keinen Grund für einen Kurs- oder Personalwechsel. Gerhardt räumte zwar nach einer zweitägigen Fraktionsklausur ein, dass er in seiner Doppelfunktion zeitweise bis an die Grenzen des Erträglichen belastet war. Er lehnte es aber erneut ab, zumindest ein Amt abzugeben. Die Konsequenz müsse vielmehr sein, dass seine Stellvertreter verstärkt in Erscheinung treten und als Team arbeiten müßten. "Bei mir ist zu viel gelandet", sagte Gerhardt.

Scharf verwahrte er sich gegen Forderungen, die FDP müsse ihr Themenspektrum verbreitern. "Wir sind wirklich breit genug", sagte Gerhardt. Es sei auch keinem der Kritiker benommen, ein seines Erachtens wichtiges Thema anzusprechen. Es dürfe dann aber nicht bei Allgemeinplätzen bleiben. Notwendig sei "substanzielle Arbeit". Zugleich müssten die Liberalen "ein Stück mehr Credo und Haltung" vermitteln, selbst wenn ihre Prinzipien gegen den Trend stünden. So nehme eine Mentalität zu, die vom Staat weitgehende Absicherung erwarte. Dem müsse die FDP die Alternative einer selbstverantwortlichen Gesellschaft entgegen stellen. Dies gelte gerade auch für Ostdeutschland. Dieser "Weg der Ehrlichkeit" werde sich auf Dauer gegen den "Weg der Vertröstungen" der anderen Parteien als richtig erweisen. Gerhardt räumte allerdings ein, dass ein eigenständiger Kurs vom Wähler nicht unbedingt belohnt werde. So habe es der FDP bei der Reform des Staatsbürgerrechts nach Erkenntnissen der Meinungsforscher geschadet, dass sie SPD und Grünen "aus der Patsche geholfen" habe. Profitiert habe davon nur die CDU. Der FDP-Chef betonte aber, er würde trotzdem noch einmal so handeln.

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