Politik : Liberaler gewinnt Wahl in Südkorea

Der Reformpolitiker Roh will als Präsident die „Sonnenscheinpolitik“ gegenüber Pjöngjang fortsetzen

Harald Maass

Peking. Die Südkoreaner haben den liberalen Reformpolitiker Roh Moo Hyun zum Präsidenten gewählt und sich damit für die Fortsetzung des bisherigen Annäherungskurses gegenüber Nordkorea entschieden. „Ich werde eine neue Ära des Dialogs und des Kompromisses einläuten“, kündigte der 56-jährige Kandidat der regierenden Demokratischen Milleniumspartei (MDP) am Donnerstagabend in Seoul an. Er tritt die Nachfolge von Staatschefs Kim Dae Jung an, der nach fünfjähriger Amtszeit nicht mehr kandidieren durfte. Rohs stärkster Widersacher, Lee Hoi Chang von der konservativen Großen Nationalpartei, (GNP) gestand die Niederlage ein und gratulierte Roh zum Sieg.

Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen lag Roh mit 49 Prozent knapp vor dem 67 Jahre alten ehemaligen Ministerpräsidenten und Obersten Richter Lee, der 46,5 Prozent auf sich vereinen konnte. Weit abgeschlagen kam der Kandidat von der Demokratischen Arbeitspartei (DLP), Kwon Young Ghil, auf den dritten Platz. Die anderen drei Kandidaten spielten ebenfalls keine Rolle.

35 Millionen Südkoreaner waren aufgerufen gewesen, für die kommenden fünf Jahre einen Präsidenten zu bestimmen. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes standen die jüngsten Spannungen um Nordkoreas Atomwaffenprogramm und die Wirtschaftspolitik. Politische Beobachter hielten die Wahlbeteiligung der jungen Südkorea für mitentscheidet für das Ergebnis. Während der konservative Lee, der für eine härtere Politik gegenüber Nordkorea eintritt, auf eine feste Stammwählerschaft unter den älteren Südkoreanern zählen konnte, ist Roh eher bei jungen Wählern beliebt. Mit 70,2 Prozent erreichte die Wahlbeteiligung allerdings ein südkoreanisches Rekordtief.

Der 55-jährige Roh, der aus einer armen Bauernfamilie stammt und im Selbststudium Jura studierte, hatte sich während der Militärdiktatur einen Namen als Menschenrechtsanwalt gemacht. Wie sein Vorgänger Kim Dae Jung will er im Umgang mit Nordkorea vor allem auf Dialog setzten, allerdings wird Seoul in Zukunft von Pjöngjang mehr konkrete Schritte zur Entspannung verlangen. Wegen des Konflikts um Pjöngjangs Atomwaffenpläne galt die Wahl als Richtung weisend für die künftige Nordkorea-Politik und das Verhältnis zur Schutzmacht USA. Roh ist ausgesprochener Befürworter von Kims „Sonnenscheinpolitik“ gegenüber Nordkorea. Er hatte sich wiederholt gegen Wirtschaftssanktionen ausgesprochen. Lee trat dagegen im Einklang mit der US-Politik für eine härtere Gangart gegenüber Pjöngjang ein. Nordkorea hatte mit seinem Eingeständnis, weiter ein Kernwaffenprogramm zu betreiben, weltweit Besorgnis ausgelöst.

Roh will sich auch für eine „gleichberechtigte“ Partnerschaft mit den USA einsetzen. Zunehmender Anti-Amerikanismus in Südkorea hatte im Wahlkampf eine große Rolle gespielt. Zudem versprach Roh ausgeglichenere Verteilung des Wohlstands und Korruptions-Bekämpfung. „Ich bedanke mich bei der Bevölkerung“, sagte Roh. Er werde sein Bestes für seine Unterstützer, wie für diejenigen geben, die gegen ihn gewesen seien. Roh wird im Februar sein Amt antreten.

Ein politisches Manöver des südkoreanischen Chefs und Unternehmers, Chung Mong Joon, hatte noch am Mittwoch für erhebliche Aufregung gesorgt. Chung, der während der Fußball-WM in Südkorea nationale Popularität erreicht und sich öffentlich hinter Roh gestellt hatte, zog einen Tag vor der Wahl seine Unterstützung zurück. Beobachter spekulierten, dass Chung damit seine eigene Kandidatur für die Wahlen 2007 vorbereiten wollte. (mit dpa)

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