Politik : Liberales Miss-Trauen

Vor dem FDP-Parteitag in NRW stellen sich die Kölner gegen Flach. Sie wollen Köster als Möllemann-Nachfolger

Jürgen Zurheide[Düsseldorf]

Es wird nicht einfach für Ulrike Flach. An diesem Sonntag will sich die 51-jährige Bundestagsabgeordnete, bisher stellvertretende Vorsitzende der FDP in Nordrhein-Westfalen, um den Vorsitz bewerben. Doch die Basis ist zur Frage, ob Flach die richtige Nachfolgerin von Jürgen Möllemann ist, gespalten: Kurz vor dem Sonderparteitag in Düsseldorf stellte sich der größte Kreisverband des Bundeslandes, die Kölner FDP, gegen Flach. Sie habe „nicht gezeigt, dass sie bereit ist für einen wirklichen Neuanfang“, erklärte der Kreishauptausschuss.

Flachs Gegenkandidat, der Wuppertaler Kreisvorsitzende Rolf Köster, ist ein langjähriger Kritiker Möllemanns. Schon im Frühjahr legte er sich mit ihm an. Als der damalige Vorsitzende der NRW-Freidemokraten mit seinen Sprüchen gegen Ariel Scharon Aufsehen erregte und ihn niemand aus der Parteiführung zur Ordnung rief, begehrte Köster auf. Als Einziger forderte er Möllemann auf einem Landesparteitag in Hagen zum Rückzug auf, er verbot ihm auch Wahlkampfauftritte in Wuppertal.

Als sich jetzt die Frage der Nachfolge Möllemanns stellte und sich die beiden bisherigen Stellvertreter, Andreas Pinkwart und Ulrike Flach, gegenseitig beharkten, wurde es Köster zu viel. „Ich stehe für einen Neuanfang in der FDP und kandidiere für mich selbst“, rief er aus. Das Echo darauf schallte bis weit über die Grenzen des Landes hinaus. Köster wurde von vielen zum Kronzeugen gegen das System Möllemann bemüht. Seit sich Andreas Pinkwart mit ihm verbündet und zu seinen Gunsten auf eine eigene Kandidatur verzichtet hat, sind seine Chancen gestiegen.

Doch auch Ulrike Flach kämpft. Noch am Freitag trat sie vor die Presse in Düsseldorf und präsentierte sich als Chef-Aufklärerin. Die FDP werde die Untersuchung möglicher Unregelmäßigkeiten erneut ausweiten müssen, verkündete sie, womöglich seien auch die Rechnungsabschlüsse der regionalen FDP-Verbände erneut zu prüfen.

„Sie haben doch im Landesvorstand daneben gesessen, warum haben Sie nichts bemerkt?“, wird Ulrike Flach erneut gefragt. „Nein, dass wir mehr Spenden hatten, als andere, hat uns gefreut, ich habe mir nie einzelne Spenderlisten angesehen“, gibt sie zurück und wirkt trotz der unbequemen Frage fast heiter.

„Die ist zäh“, erklärt einer, der sie näher kennt und darauf verweist, dass sie erhebliche Standvermögen hat und sich auch nicht durch die Fragen nach einer möglichen Mitwisserschaft zum umstrittenen Faltblatt von Möllemann aus der Ruhe bringen lassen will. „Ich stehe gleichermaßen für Kontinuität wie Erneuerung“, schreibt sie auf ihre Fahne. Sie will, wie Möllemann, im größten Bundesland keine Koalition mit der CDU in der Opposition, dessen Ausflüge in den rechten Populismus will sie aber auch nicht fortsetzen: „Das war falsch und deshalb müssen wir uns von ihm trennen.“

Nicht alle in der FDP trauen ihr diesen harten Schnitt wirklich zu. Der Parteitag am Sonntag in Düsseldorf verspricht spannend zu werden, denn mit dem Kölner Votum schmilzt der Vorsprung der Mülheimerin Flach. „Ich bin ein optimistischer Mensch“, sagt sie und verkündet gleich noch, dass sie mit dem Schritt an die Spitze des Landesverbandes auch gleich den Anspruch auf die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Jahre 2005 verbindet.

Ob Möllemann zum Parteitag kommt, war am Freitag nicht klar. Fest steht nur: Im Fall seiner Teilnahme droht die Versammlung, wie Flach selbst einräumt, „völlig unberechenbar“ zu werden.

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