Libyen-Besuch anno 82 : Die Delegation der Grünen

Sie diskutierten mit Gaddafi über den Friedensprozess im Nahen Osten, die zionistische Politik Israels und und den imperialen Anspruch der USA. Aber wer waren die Grünen bei Gaddafi? Eine Übersicht.

Otto Schily.
Otto Schily.Foto: picture-alliance/ dpa

Otto Schily (Jahrgang 1932) gehörte zur Zeit der Libyen-Fahrt 1982 als Mitgründer der Partei zu den prominenten Grünen – auch weil er in Prozessen gegen Mitglieder der Rote-Armee-Fraktion als Verteidiger aufgetreten war und dort Horst Mahler und Gudrun Ensslin vertreten hatte. Der Berliner Rechtsanwalt stand als Student dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund nahe, bei den frühen Grünen stand er auf dem linken Flügel, gegen die Öko-Konservativen um Herbert Gruhl. Schily gehörte 1983 der ersten Bundestagsfraktion der Grünen an, aus der er 1986 wieder „hinausrotiert“ wurde. 1987 erneut ins Bonner Parlament gewählt, trat er 1989 aus der Partei aus und wurde Mitglied der SPD, für die er von 1990 bis 2009 im Bundestag saß. Schily amtierte von 1998 bis 2005 als Bundesinnenminister. Er setzte unter anderem Anti-Terror-Gesetze und die Einführung von Personalausweisen mit biometrischen Merkmalen durch. 2010 unterzeichnete er einen Appell für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke.

Gertrud Schilling.
Gertrud Schilling.

Gertrud Schilling (Jahrgang 1949) kam über die Friedensbewegung zu den Grünen. Sie gehörte von 1982 bis 1985 der Grünen-Fraktion im hessischen Landtag an. Zwischen 1987 und 1990 war sie für die hessischen Grünen Mitglied des Bundestags, seither wird sie in der Statistik (mit elf Einträgen) als Frau mit den meisten Ordnungsrufen in der Bundestagsgeschichte geführt. 1999 gehörte sie zu den Unterzeichnern eines Aufrufs ehemaliger grüner Parlamentarier gegen den Kosovo-Krieg. Schilling hat die Grünen mittlerweile verlassen.

Alfred Mechtersheimer.
Alfred Mechtersheimer.Foto: picture-alliance/ dpa

Alfred Mechtersheimer (Jahrgang 1939) hat eine schillernde politische Biografie. Den Grünen gehörte er nie an, wohl aber der CSU – bis zu seinem Ausschluss 1981. Der Luftwaffenoffizier war damals ein prominentes Mitglied der Friedensbewegung und bekannter Kritiker des Nato-Nachrüstungsbeschlusses. 1987 kam der Parteilose über die Liste der baden-württembergischen Grünen in den Bundestag, dem er bis 1990 angehörte. Für Aufregung sorgte Mechtersheimer 1989 mit einer Stiftungsgründung, bei der wohl auch libysches Geld eine Rolle spielte. Nach 1990 bewegte er sich immer weiter nach rechts, wo er mit seinen „national-pazifistischen“ Vorstellungen nun Widerhall fand. Der bayerische Verfassungsschutz listete ihn 1997 als „Protagonisten rechtsextremistischer Bewegungen“ auf. In der ultrarechten Zeitschrift „Zuerst“ lobte Mechtersheimer im März die „nationale Komponente in Gaddafis Weltbild“ und meinte, man werde „später Gaddafis Bedeutung bei der Abwehr der Islamisten erkennen“.

Roland Vogt.
Roland Vogt.Foto: picture-alliance/ dpa

Roland Vogt (Jahrgang 1941) war zur Zeit der Libyen-Reise einer der prominentesten Bundestagsabgeordneten der Grünen. Zu denen war das frühere SPD-Mitglied als einer der Köpfe der Bürgerinitiativbewegung der Siebzigerjahre und als Mitbegründer der Alternativen Liste in Berlin gekommen. Vogt war 1977 einer der drei Gründungsvorsitzenden des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1985 war Vogt unter anderem landespolitisch in Rheinland-Pfalz aktiv, nach 1990 dann in Brandenburg, etwa in einer Bürgerinitiative gegen das Bombodrom im Kyritz-Ruppiner Land. Von 2000 bis 2003 fungierte er auch als Landesvorsitzender der Brandenburger Grünen. Heute leitet er die Arbeitsgruppe „+50“ der rheinland-pfälzischen Grünen.

Alexander Langer.
Alexander Langer.Foto: picture-alliance / dpa

Alexander Langer (Jahrgang 1946) war ein grüner Politiker aus Südtirol. Dort engagierte er sich früh für ein engeres Zusammenleben der Volksgruppen, für mehrere linke Gruppen saß er jahrelang im Bozener Regionalparlament. Langer gehörte zu den Mitbegründern der Grünen in Italien. Die Partei vertrat er von 1989 bis zu seinem Tod 1995 auch im Europaparlament, zusammen mit Claudia Roth war er ab 1994 Fraktionsvorsitzender im Straßburger Parlament. Zu seinen Themen damals gehörte vor allem die Entwicklung auf dem Balkan. (Tsp)

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