Politik : Libyen entschädigt La-Belle-Opfer

Christoph Stollowsky

Berlin - 18 Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek „La Belle“ sollen die Opfer aus der libyschen Staatskasse entschädigt werden. Für ihre teils schweren Verletzungen erhalten die 168 deutschen Überlebenden insgesamt 35 Millionen US-Dollar. Darauf einigten sich die Opfervertreter mit Verhandlungsführern Libyens, wie Anwalt Axel Schirmack am Dienstag bestätigte. Damit ist auch der Weg frei für eine politische und wirtschaftliche Annäherung der Bundesrepublik an Libyen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will unmittelbar nach der geplanten Unterzeichnung des Entschädigungsabkommens am 3. September nach Tripolis reisen.

Bei dem Anschlag auf die besonders bei US-Soldaten beliebte Diskothek starben in der Nacht zum 5. April 1986 drei Menschen, mehr als 200 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Elf Jahre mussten die Opfer warten, bis 1997 vor dem Berliner Landgericht der Prozess gegen fünf Angeklagte eröffnet wurde. Vier weitere Jahre vergingen, bis 2001 vier von ihnen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Inzwischen ist dieses Urteil auch vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Zugleich machten die Gerichte Libyens Geheimdienst für das Attentat verantwortlich. Libyen selbst streitet bisher jede Schuld ab und betonte dies auch bei der Übereinkunft am Dienstag. Für die Verhandlungsführer aus Tripolis sei die jetzige Entschädigung lediglich eine humanitäre Geste.

Jahrelang wurde um diese Wiedergutmachung gerungen. Ursprünglich hatten die Opfer 500 000 Euro für jeden Verletzten gefordert, umgerechnet erhält nun jeder 153 000 Euro. Das Auswärtige Amt vermittelte bei den Verhandlungen. Sie führten zum Durchbruch, weil Libyen durch sein Entgegenkommen endgültig sein Image als Schurkenstaat loswerden und seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland verbessern will. Doch auch die Opfer wollten einen Schlussstrich ziehen.

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