Libyen : Gaddafi stoppt Öllieferungen an die Schweiz

Als Vergeltungsmaßnahme für die vorübergehende Festnahme eines Sohns von Staatschef Muammar al-Gaddafi in Genf hat die nationale libysche Seefrachtgesellschaft die Erdöllieferungen an die Schweiz gestoppt. Die Alpenrepublik ist noch nicht offiziell unterrichtet worden.

Tripolis/Genf/BernLibyen hat nach der vorübergehenden Festnahme eines Gaddafi-Sohns in der Schweiz seine Öllieferungen an die Alpenrepublik gestoppt. So berichtet die BBC. Wie am Donnerstag weiterhin offiziell in Tripolis mitgeteilt wurde, gilt der Lieferboykott ausschließlich für die Transporte der nationalen Gesellschaft; andere Öltanker sind nicht betroffen. Zudem dürfen Schiffe aus der Schweiz von nun an nicht mehr in den Häfen Libyens anlegen und werden dort auch nicht beladen. Ferner wurde mit "neuen Maßnahmen" gedroht, sollte die Schweiz nicht "innerhalb der nächsten Stunden" den Fall Hannibal Gaddafi zu den Akten legen.

Der jüngste Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi, Hannibal, war zusammen mit seiner hochschwangeren Frau Aline am Dienstag voriger Woche in Genf festgenommen und zwei Tage festgehalten worden. Ihnen wurde vorgeworfen, zwei Hausangestellte aus Tunesien und Marokko körperlich misshandelt zu haben. Das Paar hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Am Donnerstag kamen sie gegen Zahlung einer Kaution von 500.000 Franken (rund 309.000 Euro) frei und reisten anschließend Hals über Kopf ab.

Libyen fordert Schweizer Unternehmen auf, ihre Außenbüros zu schließen

Die Affäre hat das Verhältnis beider Länder schwer belastet. Das Schweizer Außenministerium erklärte am Mittwoch, Gaddafi leite "beunruhigende Vergeltungsmaßnahmen" ein. So seien Schweizer Unternehmen in Libyen aufgefordert worden, ihre Büros zu schließen. Libyen ist der wichtigste Lieferant für Rohöl in die Schweiz: Rund die Hälfte der Ölimporte stammen aus dem nordafrikanischen Staat.

Die Schweiz ist offiziell über einen Öllieferboykott Libyens nicht unterrichtet worden. Das erklärte der Vize-Direktor des dem Wirtschaftsministerium zugeordneten Staatssekretariats für Wirtschaft, Eric Scheidegger, am Donnerstag zu entsprechenden Medienberichten. Deswegen könne man einen solchen Boykott auch "nicht formell bestätigen". (peg/AFP/dpa)

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