Libyen : Hoffnung für bulgarische Krankenschwestern

Im Fall der in Libyen zum Tode verurteilten fünf bulgarischen Krankenschwestern ist nach Angaben der Gaddafi-Stiftung eine Einigung mit den Familien der Opfer erzielt worden. Sie hätten finanzielle Entschädigungen akzeptiert.

TripolisEinen Tag vor der Entscheidung des Obersten Gerichts in Libyen über die Todesstrafe für fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt haben die Familien der Opfer eingelenkt. Die Familien der mit dem HI-Virus infizierten Kinder hätten finanzielle Entschädigungen akzeptiert, teilte die Gaddafi-Stiftung mit. Die Krise sei damit beendet. "Wir haben einen Kompromiss erreicht, der für die Familien der Opfer akzeptabel ist", sagte Stiftungschef Salah Abdessalem der Nachrichtenagentur AFP. Einzelheiten der Vereinbarung würden in Kürze bekannt gegeben. Demnach könnte die Todes- in eine Haftstrafe umgewandelt werden.

Der Kompromiss werde alle Seiten zufrieden stellen und die Krise beenden, sagte Abdessalem, der die Verhandlungen zwischen Libyen, der Europäischen Union und den Opfer-Familien geleitet hatte. Er soll nun dem Obersten Justizrat in Libyen vorgelegt werden, der entscheiden kann, die Todesstrafe - sollte sie am Mittwoch vom Obersten Gericht bestätigt werden - in Haftstrafen umzuwandeln. Da zwischen Libyen und Bulgarien ein Auslieferungsabkommen besteht, könnten die Krankenschwestern eine Haftstrafe in ihrer Heimat verbüßen.

Die Krankenschwestern und der Arzt waren im Mai 2004 für schuldig befunden worden, in einem Krankenhaus in Benghasi 438 libysche Kinder absichtlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. 56 Kinder starben inzwischen an Aids. Das Todesurteil war im Dezember bestätigt worden. Die seit knapp achteinhalb Jahren inhaftierten Verurteilten hatten wiederholt ihre Unschuld beteuert und die Aids-Infektionen auf die schlechten hygienischen Zustände in dem Krankenhaus zurückgeführt. Die Staatsanwaltschaft forderte Ende Juni eine Bestätigung des Todesurteils. Die EU hatte sich mehrfach gegen Entschädigungszahlungen ausgesprochen, da die Krankenschwestern und der Arzt unschuldig seien. (mit AFP)

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