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Libyen : Milizen töten offenbar Gaddafi-Sohn

Ein Jahr nach dem Tod des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi ist eine seiner letzten Hochburgen heftig umkämpft. Bei den Gefechten wurde Gaddafis Sohn Chamis einem Bericht zufolge getötet. Möglicherweise wurde auch sein früherer Sprecher festgenommen - sicher aber ist das nicht.

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Libysche Regierungstruppen auf dem Weg zu der umkämpften Stadt Bani Walid
Libysche Regierungstruppen auf dem Weg zu der umkämpften Stadt Bani WalidFoto: dpa

Angaben des Senders Libya TV zufolge ist der Gaddafi-Sohn Chamis in Libyen getötet worden. Er soll bei einem Gefecht zwischen Milizionären in der Stadt Bani Walid gestorben sein. Der 29 Jahre alte Gaddafi-Sohn hatte während der Herrschaftszeit seines Vaters eine Brigade der Regimetruppen kommandiert. Ein Reporter des TV-Senders sagte, er habe die Leiche von Chamis al-Gaddafi mit eigenen Augen gesehen. Bani Walid hatte 2011 zu den letzten Hochburgen der Truppen des Regimes von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi gehört.
In der Stadt sollen sich immer noch viele von der Justiz gesuchte Gaddafi-Anhänger aufhalten, darunter auch auch Söldner. Die Wüstenstadt ist seit Tagen Schauplatz von Kämpfen, regierungstreue Milizen beschießen die Stadt. Am Samstag seien neun Tote und 122 Verletzte eingeliefert worden, sagte ein Verantwortlicher des Krankenhauses der nordöstlich gelegenen Stadt Misrata, in dem regierungstreue Kämpfer behandelt werden. „Die meisten Verletzungen wurden durch leichte Waffen verusacht, was auf Nahkämpfe in den Stadtvierteln schließen lässt.“

"Die Regierung hat den Milizen grünes Licht gegeben, die Stadt auszulöschen“, sagte Salem al-Waer, der die größte bewaffnete Gruppe in Bani Walid führt. Er rief die UNO und westliche Staaten auf, die Zivilisten in der Stadt zu schützen. Auch am Samstag sei die Stadt seit dem Morgen bombardiert worden, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. „Die humanitäre Lage ist sehr schlecht.“ Bani Walid war am 17. Oktober 2011 von den Gaddafi-Gegnern eingenommen worden. In den vergangenen Monaten gewannen aber die Anhänger Gaddafis dort wieder die Oberhand.

Unterdessen wurde möglicherweise eine weitere Führungsfigur des alten Regimes gefasst. Wie die libysche Regierung mitteilte, wurde Gaddafis ehemaliger Sprecher Mussa Ibrahim am Samstag in der Ortschaft Tarhuna rund 50 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis festgenommen. Anschließend wurde er demnach nach Tripolis gebracht. Allerdings ist ein Tondokument aufgetaucht, das diese Bericht in Zweifel zieht. In der Aufnahme, deren Echtheit zunächst nicht überprüft werden konnte, sagt ein Mann, der sich als Mussa Ibrahim vorstellt: „Mit den Nachrichten über meine Festnahme soll von den Verbrechen abgelenkt werden, die die Rebellen der NATO gegen unsere Leute in Bani Walid verübt haben.“ Dort würden selbst Frauen und Kinder getötet. Er selbst befinde sich gar nicht in Libyen.

Der 38-jährige Ibrahim hatte den Posten des Gaddafi-Sprechers im März 2011 kurz nach dem Beginn der Revolte gegen den Machthaber übernommen. Über Monate lieferte er der internationalen Presse die Interpretation der Regierung zu den Ereignissen im Land. Gerüchte hatten besagt, dass er nach der Einnahme von Tripolis im August 2011 mit seiner deutschen Frau und seinem kleinen Sohn nach Großbritannien geflohen war. (dpa/afp)

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