Libyen : Patt zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen

Die Offensive der libyschen Rebellen gegen die Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi kommt zum Stillstand. Nach US-Einschätzung sind die Rebellen klar unterlegen. Dennoch setzen sich immer mehr Gaddafi-Gefolgsleute ab.

Die Rebellen in Libyen hoffen darauf, dass der Rückhalt für Machthaber Gaddafi weiter schwindet. Foto: Reuters
Die Rebellen in Libyen hoffen darauf, dass der Rückhalt für Machthaber Gaddafi weiter schwindet.Foto: Reuters

Im libyschen Bürgerkrieg stehen sich Rebellen und regimetreue Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi in einem Patt gegenüber. Den Rebellen am Rande der Stadt Adschdabija gelang es am Freitag nicht, die Gaddafi-Truppen zurückzudrängen, wie ein BBC-Reporter aus der Region berichtete. Am Vortag war bereits der Vorstoß gescheitert, den am Mittwoch verlorenen Ölhafen Brega zurückzuerobern. Nach Einschätzung der US-Regierung sind die Gaddafi-Truppen den Rebellen trotz des internationalen Militäreinsatzes klar überlegen. Dennoch desertieren immer mehr politische Gefolgsleute des Machthabers Muammar al-Gaddafi.

Luftangriffe auf Libyen
Auch in der Nacht auf Dienstag gab es wieder Explosionen in der libyschen Hauptstadt Tripolis zu hören. Rauchschwaden waren ebenfalls zu sehen. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Reuters
24.05.2011 08:35Auch in der Nacht auf Dienstag gab es wieder Explosionen in der libyschen Hauptstadt Tripolis zu hören. Rauchschwaden waren...

Das Heer Gaddafis sei gemessen an der Truppenstärke und Ausrüstung ungefähr zehn Mal so schlagkräftig wie die Aufständischen, sagte US-Generalstabschef Mike Mullen am Donnerstag (Ortszeit) vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Abgeordnetenhauses. Gaddafi würde „so viele (Menschen) töten, wie er müsse, um die Rebellion niederzuschlagen“.

Doch der Rückhalt für Gaddafi scheint zu schwinden. Der Machthaber soll allen Regierungsmitgliedern und hochrangigen Beamten die Ausreise verboten haben. Außer dem nach Großbritannien geflohenen Außenminister Mussa Kussa sollen sich noch weitere ranghohe Funktionäre absetzen, berichtete die arabische Tageszeitung „Al-Sharq al-Awsat“. Darunter seien der Parlamentspräsident und Ministerpräsident Al-Baghdadi Al-Mahmudi.

Nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira aus der Nacht zum Freitag sind immer weniger Menschen bereit, als „menschliche Schutzschilder“ vor der Residenz des Gaddafi-Clans in der Garnison Bab al-Asisija bei Tripolis zu dienen. Am Donnerstagabend seien nur noch ein paar Dutzend Libyer dort gewesen, um einer möglichen Bombardierung des Stützpunkts durch die westliche Militärallianz zu trotzen, berichtete der Sender.

Katharina Eglaus Bilder von der Front in Libyen
Der ehemalige Feldwebel Abdullah Ali Muftah vor seinen grünen Landrover Defender, vorne sein Kanonenrohr. Foto: Katharina EglauAlle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Katharina Eglau
30.03.2011 16:44Der ehemalige Feldwebel Abdullah Ali Muftah vor seinen grünen Landrover Defender, vorne sein Kanonenrohr.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle und sein chinesischer Amtskollege Yang Jiechi verlangten in Peking neue Anstrengungen für eine politische Lösung. Westerwelle forderte Gaddafi auf, „endlich die Waffen schweigen zu lassen und zuzulassen, dass es einen friedlichen politischen Prozess geben kann“.

Unterdessen soll es in London Geheimgespräche gegeben haben, wie die BBC berichtete. Mohammed Ismail, ein Vertrauter von Gaddafi-Sohn Saif al-Islam, sei inzwischen wieder nach Tripolis zurückgekehrt, berichtete der Sender am Freitag. Bei den Gesprächen sei es möglicherweise um ein Ausstiegsszenario für Gaddafi gegangen. Gaddafi selbst forderte am Donnerstagabend den Rücktritt sämtlicher Staatschefs der Länder, die sich am Militäreinsatz in Libyen beteiligen. (dpa)

15 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben