Politik : Libyen will Geiseln helfen

Gaddafis Sohn spricht über Vermittlerrolle in Algerien

Ulrike Scheffer/Ralph Schulze

Berlin/Madrid. Libyen hat sich offenbar in das Geiseldrama in Algerien eingeschaltet. Al Saadi Gaddafi, Sohn des libyschen Staatschefs Muammar al Gaddafi, erklärte am Dienstag in Berlin, sein Land vermittle in dem Fall der entführten europäischen Touristen: „Wir wollen helfen, die deutschen Geiseln freizubekommen“, sagte er dem Tagesspiegel. Al Saadi Gaddafi hält sich derzeit in Berlin auf. Er ist Vizepräsident des libyschen Fußballverbandes und traf am Dienstag Mitglieder des Sportausschusses des Bundestages. Ob er auch Gespräche im Zusammenhang mit der Geiselaffäre führen wird, wollte Gaddafi nicht sagen. Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, man äußere sich grundsätzlich nicht zu dem Entführungsfall.

In der algerischen Wüste wurden seit Februar insgesamt 32 europäische Touristen verschleppt, darunter 16 Deutsche. Am 13. Mai konnten 17 der Entführten von algerischen Sicherheitskräften befreit werden. Anfang vergangener Woche berichteten algerische Medien, auch die übrigen Geiseln seien frei, was sich jedoch als Falschmeldung herausstellte. Zuletzt war aus algerischen Sicherheitskreisen zu erfahren, die Entführer hätten die übrigen 15 Geiseln – zehn Deutsche, vier Schweizer, ein Niederländer – inzwischen in mehrere Gruppen geteilt, um eine Befreiungsaktion zu erschweren. Nach Informationen des Tagesspiegel laufen seit einiger Zeit Verhandlungen mit den Geiselnehmern, die der islamistischen „Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC) zugerechnet werden.

Die Aussage von al Saadi Gaddafi deckt sich mit Informationen aus algerischen Regierungskreisen, wonach Algeriens Präsident Abdelasis Bouteflika Libyen um Unterstützung bei der Lösung des Geiseldramas gebeten hat. Für eine libysche Vermittlerrolle spricht einiges: Schon länger wird vermutet, dass die verbliebenen Geiseln in der Nähe der Oasenstadt Illizi unweit der libyschen Grenze festgehalten werden. Libyen werden zudem gute Kontakte zu islamistischen Gruppen nachgesagt, obwohl sich Muammar al Gaddafi selbst offiziell vom Terror losgesagt hat.

Gaddafi gelang es schon einmal, deutsche Geiseln zu retten. Vor drei Jahren vermittelte sein Sohn Saif al Islam Gaddafi auf der philippinischen Insel Jolo, wo unter anderem die Lehrerfamilie Wallert von Islamisten festgehalten wurde. Meldungen, wonach Libyen sich auch für Saddam Hussein einsetzt, dementierte al Saadi Gaddafi: „Wir haben hier keine Vermittlerrolle übernommen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Die arabische Zeitung „Al Scharq al Ausat“ hatte kürzlich gemeldet, Saif al Islam Gaddafi habe Mitgliedern des Saddam-Regimes Asyl angeboten.

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