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Libysche Rebellen auf dem Vormarsch : Gaddafi soll angeblich auf der Flucht sein

In Libyen zeichnet sich eine entscheidende Wende ab. Angeblich ist Machthaber Muammar al-Gaddafi geflohen. Die Rebellen haben nach eigenen Angaben Teile der libyschen Hauptstadt Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht.

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi und seine Söhne Hannibal al-Gaddafi (l) und Saif al-Islam al-Gaddafi (r). Die Familie soll nach dem Aufstand der Regimegegner in Tripolis die Hauptstadt in Richtung algerische Grenze verlassen haben.
Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi und seine Söhne Hannibal al-Gaddafi (l) und Saif al-Islam al-Gaddafi (r). Die Familie soll...Foto: dpa

Nach dem Aufstand der Regimegegner in Tripolis soll Muammar al-Gaddafi die Hauptstadt in Richtung algerische Grenze verlassen haben. Aus gut informierten Kreisen in Tripolis verlautete am Sonntag, der Staatschef und seine Familie hielten sich in einer Region unweit der Grenze auf. Dort würden sie von Angehörigen des Al-Orban-Stammes beschützt. Ihr Plan sei es möglicherweise, über die Grenze nach Algerien zu flüchten. Eine Bestätigung für diese Nachricht vonseiten der Rebellen gab es zunächst nicht.

Das libysche Fernsehen hatte in der Nacht eine vorab aufgezeichnete Rede von Gaddafis Sohn Seif al-Islam vor einer Gruppe von Anhängern ausgestrahlt. Darin sagte dieser, es sei ausgeschlossen, dass er und sein Vater das Land verlassen würden.

In der Nacht hatte es in Tripolis Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und Aufständischen gegeben. Nach Angaben von Augenzeugen werden die Viertel Tadschura und Souk al-Dschumaa inzwischen von den Rebellen kontrolliert. Anwohner hörten bis zum Morgengrauen Schüsse und Luftangriffe der Nato. Am Vormittag herrschte im Stadtzentrum, das noch von Gaddafis Anhängern kontrolliert wird, wieder Ruhe.

Die libyschen Rebellen haben nach eigener Darstellung bei blutigen Kämpfen Teile der Hauptstadt Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht. Sie belagerten am Sonntag den Gebäudekomplex von Machthaber Muammar al-Gaddafi, hieß es.

In Tunesien feiern Sympathisanten der libyschen Rebellen bereits das Ende des Gaddafi-Regimes.
In Tunesien feiern Sympathisanten der libyschen Rebellen bereits das Ende des Gaddafi-Regimes.Foto: dpa

Der arabische Fernsehsender Al Arabija berichtete, die Aufständischen hätten Dutzende von Soldaten Gaddafis gefangen genommen. Ein Mitglied des nationalen Übergangsrats der Aufständischen sagte dem Nachrichtensender Al-Dschasira: „Die Rebellen in Tripolis haben sich erhoben.“ In der Rebellenhochburg Bengasi im Osten Libyens wurden die Nachrichten aus der Hauptstadt gefeiert.

Allein bei den Gefechten im Stadtviertel Tadschura sind nach Angaben eines Rebellenführers laut Al-Dschasira mindestens 123 Aufständische ums Leben gekommen. In anderen Teilen von Tripolis soll es auch Tote gegeben haben. Ihre Zahl war zunächst nicht bekannt. Neben Tadschura kontrollierten die Regimegegner nach eignen Angaben auch das Viertel Souk al-Dschumaa.

Wie ein Rebellensender berichtete, hätten die Kämpfer auch die Kontrolle über ein Waffendepot und den Internationalen Flughafen von Tripolis übernommen. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, sagte Al-Dschasira, dass alle Aktionen vorbereitet und koordiniert seien.

Der Sprecher der libyschen Regierung, Mussa Ibrahim, bestätigte die Zusammenstöße in der Hauptstadt. Sie seien jedoch nach etwa einer halben Stunde unter Kontrolle gebracht worden. „Tripolis ist friedlich und vollständig unter Kontrolle der Armee“, sagte er laut Al-Dschasira gegen Mitternacht (Ortszeit).

Während der Gefechte meldete sich Gaddafi mit einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Audiobotschaft zu Wort. Er bezeichnete die Rebellen als „Verräter“ und „Ratten“ und beschuldigte sie, Libyen zerstören zu wollen. Gaddafi rief seine Anhänger auf, in Massen die monatelange Rebellion zu beenden. Er betonte, dass die Rede nicht aufgezeichnet war, sondern live gehalten wurde und nannte als Beweis dafür das aktuelle Datum und die Uhrzeit.
Zudem bezichtigte Gaddafi europäische Länder, hinter dem libyschen Öl her zu sein. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy „will unser Öl“, sagte Gaddafi. Das Staatsfernsehen zeigte während der Rede ein Video von einer kleinen Gruppe von Anhängern des Diktators, die Gaddafi hochleben ließen und Bilder von ihm küssten.

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam erklärte in einer aufgezeichneten Rede, die am frühen Sonntagmorgen vom libyschen Fernsehen verbreitet wurde, sie würden nicht aufgeben.

Der Übergangsrat der Rebellen hatte in den vergangenen Monaten mehrfach erklärt, für die Eroberung von Tripolis setzte man auf den „Kollaps des Regimes“ und die Unterstützung durch „geheime Zellen“ von Sympathisanten in Tripolis. In den vergangenen Tagen hatten die Rebellen auf ihrem Vormarsch nach Tripolis große Geländegewinne erzielt. Im Osten stehen ihre Truppen rund 40 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Auch wirtschaftlich zeigen die internationalen Sanktionen gegen Libyen und das Vordringen der Rebellen auf die Hauptstadt Wirkung. Den Banken in Tripolis geht das Geld aus. Staatsangestellte bekommen derzeit keine Gehälter mehr ausgezahlt. „Seit Donnerstag haben wir kein Geld mehr und wir wissen auch nicht, wann sich das ändern wird“, sagte ein Bankangestellter in Tripolis am Samstag. Treibstoff und andere Güter sind schon länger knapp. (dpa)

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