Politik : Liebe und Bomben

Die Ex-Terroristin Klump muss zwölf Jahre in Haft – und bereut ihre Taten

Jost Müller-Neuhof

Berlin - Waschen, putzen, Hemden bügeln, auch das kann strafbar sein, wenn man es für den Falschen tut. Andrea Klump hat es für den RAF-Terroristen Horst Ludwig Meyer getan, Anfang der 90er Jahre in Budapest, während der in palästinensischem Auftrag dort einen Anschlag auf jüdische Auswanderer vorbereitete. Am Dienstag hat sie das Stuttgarter Oberlandesgericht deswegen und wegen ihrer Beteiligung am Anschlag auf einen Nato-Stützpunkt in Spanien zu insgesamt zwölf Jahren Haft verurteilt. Sollte es keine Revision geben, ist damit der wohl letzte große Prozess um den Linksterrorismus in Deutschland zu Ende. Er zeigte, wie wenig von der RAF und ihren Anhängern Ende der 80er Jahre noch übrig war, politisch wie menschlich.

Eine DNA-Spur führte die Polizei auf die Fährte der heute 47 Jahre alten Klump. Sie hatte mit ihrem Lebensgefährten in Budapest das Bett geteilt, soviel war für die Fahnder sicher. Meyer hatte Grauenhaftes vor: Eine Autobombe sollte einen Reisebus mit den aus der früheren Sowjetunion stammenden Juden zerfetzen; dass auch Kinder sterben würden, war ihm bewusst. Im Prozess bestritt Klump zunächst, davon gewusst zu haben, sie wollte Meyer auch nur kurz besucht haben. Erst als Passstempel ihre Aussage widerlegten, räumte sie ein, die Pläne ihres Freundes gekannt zu haben. Mehr gestand sie nicht. Die Ankläger mussten den Vorwurf der Mittäterschaft fallen lassen. Also wurde sie als Gehilfin verurteilt, dafür genügt juristisch, wenn jemand die Tat eines anderen irgendwie fördert – und sei es, indem er ihm den Haushalt führt oder ein Zimmer mietet.

Die jüdischen Familien hatten Glück. Die Bombe explodierte zu früh. Sechs Menschen in einem vorausfahrenden Begleitfahrzeug wurden teils schwer verletzt – aber der 32fache Mordanschlag blieb so nur ein Versuch.

Triebfeder ihres Handelns war nach Ansicht des Gerichts weder Extremismus noch Hass auf Juden, sondern allein ihre Liebe zu Meyer. Sie hatte ihn einige Jahre zuvor in einem libanesischen Terrorcamp kennen gelernt. Gemeinsam ließ man sich zu dem Attentat in Spanien schicken, das jedoch ebenfalls misslang. Klump sei von Meyer emotional vollkommen abhängig gewesen, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung. Sie folgte ihm in den Untergrund, ein Leben, das – glaubt man Klump – bar jeder revolutionären Romantik gewesen sein muss. Sie habe nach Spanien der linken Gewaltideologie abgeschworen, beteuerte sie. Meyer habe seine Aktionen durchgezogen, oft allein, die Trennung von ihm beschrieb Klump als Martyrium.

1999 griff die Polizei die beiden in Wien auf. Meyer zog die Waffe und wurde von den Beamten erschossen. Heute, sagt Klump, empfinde sie „Scham“ über ihr Verhalten, sie arbeite an einer „lebenswerten Alternative“. Fünf Jahre Haft hat sie schon hinter sich. In drei Jahren könnte sie auf Bewährung entlassen werden.

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