Politik : Liebesgrüße aus Moskau

Bericht über Putins Neue Teil politischer Intrige?

Elke Windisch

Moskau - Eine empörte weibliche Stimme meldet sich per Telefon bei einem offenbar einflussreichen Politiker: Ob dieser denn schon den „Moskowski Korrespondent“ gelesen habe. „Ja“, sagt der und bebt ebenfalls vor Entrüstung: „Ein Skandal. Denen muss man sofort eins zwischen die Hörner geben.“ Das Ganze ist ein Werbespot, doch aus dem PR-Gag könnte jetzt ernst werden. Denn „Korrespondent“ hat sich an einem Thema vergriffen, das in Russland tabu ist: Putins Liebesleben.

Demnach hat der 55-jährige Kremlherrscher sich im Februar von seiner gleichaltrigen Gattin Ljudmila scheiden lassen. Schon Mitte Juni wolle er Herz, Hand und Portfolio – der Politologe Stanislaw Belkowski spricht von 43 Milliarden US-Dollar – einer neuen Flamme antragen: Alina Kabajewa. Die 24-jährige Olympiasiegerin in Rhythmischer Sportgymnastik von 2004 sitzt seit Dezember für die Kremlpartei Einiges Russland in der Duma. Ihr einst von den Medien als „perfekt“ gelobter Körper hat seither deutlich Speck angesetzt. „Putin, wo hast du deine Augen“, pöbelte denn auch ein Blogger auf der Website von „Moskowski Korrespondent“.

Alinas Freundinnen und Familie zeigen sich ahnungslos. Er, sagt Vater Marat, würde als Erster von Töchterchens Heiratsabsichten erfahren, ihre Wahl aber „im Prinzip“ nur begrüßen. So jedenfalls zitierten Reporter den einstigen Stürmer und heutigen Fußballtrainer. Aufgestöbert hatten sie ihn im zentralasiatischen Usbekistan, wo Putins angebliche Angebetete auch geboren und aufgewachsen ist. Der Kreml schweigt eisern zu den Gerüchten. Auch Kabajewas Pressesprecherin beantwortet Nachfragen nur mit einem Wort: Njet.

Die Beweislage ist bisher ohnehin dürftig: Es gibt ein einziges gemeinsames Foto von Putin und Kabajewa. Nichts darauf lässt den Schluss zu, dass es zwischen beiden gefunkt hat. Und das Video von Sergej Topol, einem der Verfasser des Artikels von „Korrespondent“ – bei Youtube zu besichtigen – ist eine zusammengeschnittene Montage von Bildern, die Blickkontakt der Protagonisten nur vortäuschen. Das Boulevardblättchen selbst gehört dem Multimillionär Alexej Lebedew, einem erklärten Putin-Gegner, der mit der Gorbatschow-Stiftung auch die Mehrheit an der kritischen „Nowaja Gaseta“ hält, bei der die im Oktober 2006 erschossene Anna Politkowskaja arbeitete. Die chronisch klamme Zeitung sollte mit dem im letzten Jahr gegründeten Boulevardblättchen saniert werden. Doch das schreibt, weil der Markt längst besetzt ist, ebenfalls tiefrote Zahlen.

Die „Sensation“, meint eine Journalistin der seriösen „Nesawissimaja Gaseta“, sollte allerdings nicht nur den finanziellen Befreiungsschlag bringen. Es sollte auch Dmitri Medwedjew, dem neuen Präsidenten, beim Machtgerangel mit Putin den Rücken stärken. Elke Windisch

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