Liechtenstein : Fürst revidiert Deutschland-Bezeichnung als "Viertes Reich"

Nicht erst seit der deutschen Steuerfahndung im kleinen Fürstentum Liechtenstein reagiert man dort verschnupft auf den Nachbarn. Das zeigte sich nach der deutschen Anfrage für Leihgaben aus der Liechtensteiner Kunstsammlung.

Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II Foto: dpa
Hofft auf bessere Zeiten. Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II. -Foto: dpa

VaduzDer Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II., hat Deutschland scharf angegriffen und von einem vierten Reich gesprochen. Kurz danach relativierte er jedoch seinen umstrittenen Vergleich. Der Fürst habe mit seinem privaten und persönlichen Schreiben an den Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, Michael Blumenthal, "in keiner Weise beabsichtigt, die grauenhaften Ereignisse des Dritten Reiches zu verharmlosen", heißt es am Donnerstag in einer Pressemitteilung aus dem Fürstenhaus. "Fürst Hans-Adam II. hat seine Äußerung, dass sich das Dritte Reich nie wiederholen möge, auf die Zukunft bezogen und damit keinen Bezug zum heutigen Deutschland hergestellt."

In dem Brief stand, Liechtenstein habe in den letzten 200 Jahren schon "drei Deutsche Reiche" überlebt. Es hoffe, auch noch das vierte Reich zu überleben. Mit seinem Schreiben hatte der Fürst begründet, warum Liechtenstein keine Leihgaben mehr aus der eigenen Kunstsammlung nach Deutschland bringe. Liechtenstein wolle seine Kunstwerke nicht dem Risiko einer selektiven Anwendung des Rechtsstaats in der Bundesrepublik Deutschland aussetzen, schreibt der Fürst in seinem Brief.

Die Beziehungen zu Liechtenstein hätten in den vergangenen 200 Jahren einer Berg- und Talfahrt geglichen. Mit dem Zweiten Deutschen Reich befinde sich Liechtenstein noch immer im Kriegszustand, da dieses untergegangen sei, bevor es mit dem Fürstentum habe Frieden schließen können, hieß es in dem Brief weiter. Und das Dritte Reich sei Gott sei Dank untergegangen, bevor es seine Drohung habe in die Tat umsetzen können, das Fürstentum Liechtenstein anzuschließen. Was die Beziehungen zu Deutschland angehe, warte das Füstentum auf bessere Zeiten.

Für großen Unmut hatte vor wenigen Monaten in Liechtenstein die deutsche Steuerfahndung im Fürstentum gesorgt. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Fürstenbank LGT hatte im Jahr 2002 Kundendaten gestohlen und an die deutschen Steuerbehörden weitergegeben. Sie lösten zahlreiche Verfahren wegen Steuerhinterziehung aus. (mpr/dpa)

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