Politik : Linke auf Partnersuche

Matthias Meisner

Berlin - Das linke Lager sucht einen Anker. Irgendwo zwischen Oskar Lafontaine und Ottmar Schreiner, die auf ihre SPD nicht mehr viel geben, der im Osten starken und im Westen unbedeutenden PDS und möglichst noch der Linkspartei Arbeit und soziale Gerechtigkeit, die erstmals bei der Wahl am 22. Mai in Nordrhein-Westfalen antritt und auf einen Erfolg bei der Bundestagswahl 2006 hofft.

An diesem Donnerstagabend setzt sich der frühere SPD-Chef Lafontaine gemeinsam mit Klaus Ernst, Chef der neuen Linkspartei, auf ein Podium in Krefeld. „Braucht Deutschland eine neue Partei?“ ist eine der Fragen, die dort auf Einladung von IG Metall und Verdi diskutiert werden sollen. In seiner Umgebung halten zwar viele für möglich, dass Lafontaine nach einer Niederlage der SPD in Nordrhein-Westfalen seiner Partei den Rücken kehrt. Der Umkehrschluss, dass er sich dann sogleich zum Zugpferd der Wahlalternative machen lässt, ist indes voreilig. Denn sie dümpelt in Umfragen bei ein bis zwei Prozent, womit sie allenfalls der SPD die letzte Chance auf einen Wahlsieg nimmt. Die Kapitalismuskritik von Franz Müntefering hat die Sache für die Linkspartei nicht einfacher gemacht. Missmutig gesteht Ernst zu, dass Müntefering „den Daumen auf die blutende Wunde gelegt hat“. Er nennt das „durchschaubare Taktiererei“.

Und dann ist da noch die PDS. Nicht nur Ernst hält den Draht zu Lafontaine, sondern auch Gregor Gysi, der weiter davon träumt, mit diesem bei der Bundestagswahl 2006 gemeinsame Sache zu machen. Wie das gehen soll, ist nicht geklärt. Denn selbst wenn die PDS, wie etwa deren Stratege André Brie möchte, ihre Listen für Parteilose öffnen sollte: Lafontaine würde sich wohl kaum darauf einlassen, für die PDS anzutreten. Das Kampffeld Westdeutschland aber will die PDS nicht räumen.

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