Politik : Linke Grüne kritisieren Kandidaten für Parteivorsitz

Berlin - Der linke Parteiflügel der Grünen will sich im Kampf um den künftigen Vorsitzenden der Partei nicht von Entscheidungen der Realpolitiker abhängig machen. Wenige Tage vor Beratungen der Realpolitiker über die Nachfolge von Reinhard Bütikofer am Wochenende übten Linkenvertreter Kritik an den zwei Kandidaten Cem Özdemir und Volker Ratzmann. Die Doppelspitze wird bei den Grünen traditionell von beiden Parteiflügeln gestellt. Parteichefin Claudia Roth von der Parteilinken will sich anders als Bütikofer erneut bewerben.

„Die Linke hat keinen Favoriten“, sagte der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann dem Tagesspiegel. Indirekt übte er Kritik an unkonkreten programmatischen Aussagen beider Bewerber. „Jeder Kandidat muss vor allem darlegen, wohin er mit der Partei inhaltlich will und wie er alle, Linke und Realos, dabei mitnehmen will“, forderte Hermann. Andere Linkenvertreter erklärten mit Blick auf Özdemir, ihr Flügel werde „keinen Favoriten einfach abnicken, den eine Handvoll Jung-Realos als Parteichef ausgerufen hat“.

Auch für den Sprecher der linken Basis-Grünen, Robert Zion, hat sich noch kein Favorit herausgeschält. Zion übte an beiden Bewerbern Kritik. „Das höchste Parteiamt darf bei der Landeslisten-Aufstellung nicht zur Geisel eines Kandidaten werden, der sonst nicht in den Bundestag käme“, meinte der „Parteirebell“ mit Blick auf Özdemir. Der Baden-Württemberger Özdemir will vor dem Wahlparteitag im Herbst einen aussichtsreichen Listenplatz erringen. Kritiker werfen ihm vor, er setze so die Delegierten bei der Listenwahl unter Druck. Zu Ratzmanns Offenheit gegenüber einer Koalition mit der CDU meinte Zion: „Das ist kein positiver Faktor.“ Zion forderte die Bewerber auf, sich zum Afghanistanbeschluss des Göttinger Parteitags zu bekennen. Die Entscheidung für einen Kandidaten sei nicht von einer Empfehlung der Realpolitiker abhängig, erklärte er.

Auch ein Treffen der Linken Ende Mai hatte nach Angaben von Teilnehmern zu keiner einheitlichen Linie geführt. Teile der Linken plädierten dafür, den in ihren Augen schwächeren Kandidaten Özdemir zu wählen, um so den eigenen Flügel gegenüber den Realpolitikern zu stärken. Andere Teilnehmer warnten dagegen, auch die Linke könne im Jahr der Bundestagswahl kein Interesse an einem schwachen Parteichef haben, da sonst mit Stimmenverlusten zu rechnen sei. hmt

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