Linke in der Krise : Bisky trifft die Gefühle der Genossen

04.01.2012 14:52 Uhrvon
Lothar Bisky Foto: dpa
Lothar Bisky - Foto: dpa

Ex-Linken-Chef Lothar Bisky hat für seine Warnungen vor "ideologischen Kämpfen" und die Forderung nach einer verjüngten Führung Beifall bekommen - und eine Diskussion in der Partei ausgelöst.

Ex-Linken-Chef Lothar Bisky hat für seine Warnungen vor „ideologischen Kämpfen“ und die Forderung nach einer verjüngten Führung Beifall aus der Partei bekommen. Bisky habe „zielgenau analysiert“ und „spricht mir aus dem Herzen“, sagte der Berliner Landesvorsitzende Klaus Lederer zum Interview Biskys im Tagesspiegel. Brandenburgs Linken-Chef Thomas Nord sagte, er sei mit Bisky nicht immer einer Meinung. „An dieser Stelle aber habe ich nichts hinzuzufügen.“ Bisky hatte in Bezug auf Spitzenparteifunktionen gefordert, „ältere Damen oder Herren“ sollten den Hut nehmen.

Die umstrittenen Vorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch wollten Biskys Empfehlungen nicht kommentieren. „Beide Vorsitzende wollen sich dazu nicht äußern und werden sich dazu nicht äußern“, sagte die stellvertretende Parteisprecherin Marion Heinrich. Parteivize Halina Wawzyniak meinte, „der gute alte Bisky“ habe spannende Hinweise etwa zur Rolle der Ostdeutschen in der Linken gegeben, über die man „richtig nachdenken muss“. An der Diskussion über eine neue Parteiführung wollte sie sich nicht beteiligen. Offiziell soll die Linken-Spitze erst im Juni 2012 neu gewählt werden. Es ist denkbar, dass Ernst und Lötzsch nach Wahlniederlagen im Herbst vorzeitig aus dem Amt gedrängt werden.

Die linke Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau sagte: „Mich treiben derzeit zwei große Themen um: der drängende sozial-ökologische Umbau und die zunehmende Demokratie-Krise – weltweit und hierzulande. Da bleiben mir weder Zeit noch Kraft für innerparteiliche Scharmützel.“ Dennoch habe Bisky recht: „Manche Linke streiten sich lieber mit sich selbst, als mit den herrschenden Verhältnissen. Das ist eine uralte Kinderkrankheit.“ Die innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke, die zum linken Flügel gehört, unterstützte Biskys Forderung, aus der Partei neue Leute für die Führung zu rekrutieren.

Allerdings sei das für sei keine Frage von Jung und Alt, auch „gute Ältere“ seien gefragt. Wichtige Rollen sieht sie auch für Fraktionschef Gregor Gysi und Ex-Parteichef Oskar Lafontaine. Ohne Gysi sei die Partei „kaum vorstellbar“, auf die Ratschläge von Lafontaine zu verzichten wäre „verfehlt“. Wichtig sei, alle politischen Strömungen mitzunehmen. Jelpke sagte über Bisky: „Er ist der Übervater. Er hat es geschafft, die Partei zusammenzuhalten, alle mitzunehmen.“

Auch der Streit um die „Junge Welt“ ging weiter. Linken-Schatzmeister Raju Sharma warf Abgeordneten, die Gysis Forderung nach einem Anzeigenboykott nicht akzeptieren, in einem Blog vor, diese arbeiteten „weiter an der Demontage von Gregor Gysi“.

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