Linke sucht : Weiblich, westlich – und wie Gysi

Oscar Lafontaine hatte eine quotierte Doppelspitze für die Linke vorgeschlagen. Inzwischen ist der Machtkampf in der Fraktion entbrannt.

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BerlinDie Idee stammt von Oskar Lafontaine selbst. Nach der Bundestagswahl im Herbst 2009 schlug der Noch-Vorsitzende bei einer Klausurtagung in Rheinsberg überraschend der neuen 76-köpfigen Linksfraktion im Bundestag vor, künftig von einer quotierten Doppelspitze (West und Ost, Frau und Mann) geführt zu werden. Nach seinem Rückzug vom Fraktionsvorsitz sollte eine Frau aus dem Westen gemeinsam mit Gregor Gysi an der Spitze stehen. Namen möglicher Kandidatinnen nannte Lafontaine damals nicht – womöglich hatte er selbst nicht so recht bedacht, wer neben Gysi bestehen könnte. „Wir bräuchten Gysi als Mädchen, aber das ist schwierig zu finden“, sagt ein Genosse.

Die Fraktion hat sich vorgenommen, die Sache rasch nach dem Rostocker Bundesparteitag Mitte Mai zu klären. Nachdem dort auch für die Parteiführung eine quotierte Doppelspitze etabliert werden soll, bliebe den Bundestagsabgeordneten nichts anderes übrig, als diesem Beispiel zu folgen, heißt es. Zumal sich auch das Frauenplenum der Fraktion dafür ausgesprochen hatte, dass Gysi künftig Unterstützung bekommen soll. Allerdings hatten die Abgeordneten offengelassen, ob seine Co-Fraktionschefin aus dem Osten oder Westen kommen soll. Dass bei der Fraktionssitzung am 19. Mai, bei der das Thema debattiert werden soll, schon gewählt werden kann, ist fraglich. Die Suche nach einer mehrheitsfähigen Kandidatin gestaltet sich schwierig.

41 weibliche Abgeordnete hat die Linksfraktion. Jetzt eine Ost-Frau an die Spitze setzen, weil es – etwa mit Parteivize Katja Kipping und Parlamentsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann – Talente gibt? Gegen eine solche Variante gibt es Vorbehalte unter den West-Abgeordneten. Doch unter den 23 West-Frauen in der Fraktion gibt es kaum bekannte Gesichter.

Gegen alle bisherigen Vorschläge werden Vorbehalte angemeldet: Die Feministin Cornelia Möhring aus Schleswig-Holstein, seit Herbst im Bundestag und inzwischen frauenpolitische Sprecherin der Fraktion, bekommt zwar Zuspruch aus dem Osten, aber nur aus einem Teil des Westens. Kritiker halten ihr zudem parlamentarische Unerfahrenheit vor. Heike Hänsel aus Baden-Württemberg wird von den einen ins Gespräch gebracht, weil sie gut in den außerparlamentarischen Bewegungen vernetzt ist – andere werfen ihr die Verankerung im Fundi-Flügel vor. Ulla Lötzer wird mit dem Argument genannt, Nordrhein-Westfalen müsse besser vertreten sein. Gleich ätzt eine linke Frontfrau: „Die kann doch nicht mal zwei verständliche Sätze zusammen reden.“ Hinreichend Talent bescheinigt wird schließlich Sahra Wagenknecht, die Ost-Berliner Kommunistin ist inzwischen in NRW verankert und eine Größe an der Parteibasis und in den TV-Talkshows. „Die Zeit ist noch nicht reif“, heißt es dazu – Wagenknecht soll in Rostock erst mal zur stellvertretenden Parteichefin aufsteigen.

Formal liegt das Vorschlagsrecht bei den künftigen Parteichefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, die in Rostock gewählt werden sollen. Namen wollen beide im Moment nicht nennen. Ernst plädiert für eine West-Frau. Lötzsch versichert, Gysi sei zwar ein politisches Ausnahmetalent, aber „zu kooperativer Arbeit fähig“. Voll überzeugt ist der von Lafontaines Idee aber nie gewesen – und inzwischen ist er dem Vernehmen nach mit seiner Rolle als alleiniger Vorsitzender recht froh.

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