Linke und Griechenland : Gregor Gysi: Tsipras ist ein Glücksfall für Europa

Die Linken-Spitzenpolitiker Katja Kipping und Gregor Gysi treffen Alexis Tsipras. Beide versichern dem griechischen Ministerpräsidenten ihre volle Solidarität.

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Linken-Politiker Gregor Gysi und Katja Kipping bei Alexis Tsipras: Unter Freunden
Linken-Politiker Gregor Gysi und Katja Kipping bei Alexis Tsipras: Unter FreundenFoto: Hannibal Hanschke/Reuters

Es ist ein Gespräch unter Freunden. 70 Minuten lang dauert die Zusammenkunft der Linken-Politiker Katja Kipping und Gregor Gysi mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Danach treten eine aufgeräumte Parteichefin und ein sichtlich zufriedener Fraktionsvorsitzender vor die Presse. Tsipras sei "ein Glücksfall für Europa", erklärt Gysi. 18 Länder in der Eurozone würden den neoliberalen Kurs fortsetzen wollen, "Griechenland will einen anderen Weg gehen". Zum ersten Mal sei damit eine Wende in der europäischen Politik möglich, die Wahl des Syriza-Politikers bedeute deshalb "eine gute Chance für Europa".

Das Gespräch der beiden Linken-Politiker findet am späten Dienstagvormittag in einem Besprechungsraum im vierten Stock des Marriott-Hotels am Potsdamer Platz in Berlin statt - außer Kipping, Gysi und Tsipras sind nur Dolmetscher und jeweils ein, zwei Referenten beider Seiten dabei. Beim Auftritt vor der Presse fehlt dann Tsipras - er will es bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Kanzleramt im Rahmen seines Staatsbesuchs bewenden lassen und macht sich direkt auf zum Holocaust-Mahnmal.

Kipping lobt nach dem Gespräch den "sehr vertraulichen Austausch" zwischen Tsipras und Kanzlerin Angela Merkel am Vorabend, der zu "etwas mehr Verständnis für die Situation in Griechenland" beigetragen habe. Die Athener Politik nimmt sie ausdrücklich in Schutz: "Es stimmt einfach nicht, dass Griechenland keine konkreten Reformvorschläge unterbreitet hat." Die griechische Regierung agiere unter "sehr schwierigen Bedingungen". Die Lösung der Liquiditätsprobleme sei von hoher Bedeutung nicht nur für das Land selbst, sondern auch beim Blick auf die Stabilität des Euro und die möglichen Folgen für den deutschen Steuerzahler.

Auch Gysi analysiert, das Gespräch zwischen Merkel und Tsipras - die beiden hatten sich zu einem Abendessen im Kanzleramt getroffen, das fast bis Mitternacht dauerte - sei offensichtlich "nicht unangenehm" gewesen. Aber dies bedeute keinesfalls, "dass es einfach wird". Etwas weniger diplomatisch hat sich zuvor Gysis Stellvertreterin Sahra Wagenknecht geäußert. Die Frontfrau des linken Parteiflügels wirft Merkel in einem Aufsatz, der auf der Homepage der Bundestagsfraktion veröffentlicht wird, Heuchelei im Umgang mit Griechenland vor. Merkel wolle Tsipras noch immer zwingen, die Kürzungsdiktate der Troika umzusetzen und "das griechische Tafelsilber zu verramschen". Wagenknecht erklärt weiter: "Neu ist, dass Merkel eine gute Miene zu diesem bösen Spiel macht."

Die Linke betrachtet die griechische Syriza-Partei von Tsipras seit Jahren als Schwesterpartei. Nach der Wahl im Januar hat sie auch, so gut es geht, verteidigt, dass sich Tsipras nach der Griechenland-Wahl im Januar für eine Koalition mit den ultrarechten "Unabhängigen Griechen" entschieden hat. In der Linksfraktion selbst die Griechenland-Politik nicht unumstritten. Mit Verweis auf dieses Thema hat Wagenknecht erst Anfang März begründet, dass sie auf eine Kandidatur als Vorsitzende der Bundestagsfraktion verzichtet.

Die Linke wolle "nicht den Lehrmeister spielen", erklärte Gysi im Januar zum Bündnis von Syriza und Rechtspopulisten. Am Dienstag sagt er auf die Frage, ob der hoch umstrittene Koalitionspartner eine Rolle gespielt habe bei der Unterredung mit Tsipras: "Kurz, sehr kurz. Dass der uns nicht besonders liegt, das weiß er."

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