Linke : Wagenknecht verzichtet für Parteivize auf Wortführerrolle

Drei Monate vor dem Parteitag der Linken in Rostock tritt die Kommunistische Plattform (KPF) in Vorleistung, um die Wahl von Sahra Wagenknecht als Vizevorsitzende durchzusetzen. Andere Strömungen in der Partei sollen diesem Beispiel folgen.

Matthias Meisner
322404_3_xio-fcmsimage-20100210222702-006007-4b7324a6582ee.heprodimagesfotos824201002116pl2.jpg
Sahra Wagenknecht -Foto: Mike Wolff

Berlin - Die KPF teilte mit, Wagenknecht werde „mit sofortiger Wirkung“ ihr Mandat im Bundeskoordinierungsrat der Gruppierung niederlegen und auch die Mitgliedschaft in der Plattform ruhen lassen. „Die Frage, ob es richtig war, sich darauf einzulassen, wird das Leben selbst beantworten.“ Wagenknecht ist wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion.

Die KPF machte in der mit ihrer „Frontfrau“ abgestimmten Erklärung klar, dass nun auch die anderen Strömungsvertreter im geschäftsführenden Vorstand auf „entsprechende Aktivitäten“ verzichten müssten. Der neuen Spitze sollen drei Vertreter des Reformerflügels angehören: Halina Wawzyniak, bisher Vize, ist wieder für das Amt vorgeschlagen. Neu aufrücken sollen Raju Sharma als Schatzmeister sowie Caren Lay als Bundesgeschäftsführerin, letztere eine der Sprecherinnen des Forums demokratischer Sozialismus.

Unter Leitung von Fraktionschef Gregor Gysi war das Personaltableau ausgehandelt worden, nachdem Parteichef Oskar Lafontaine seinen Rückzug aus der Bundespolitik angekündigt hatte. Gysi versicherte, der Beschluss zum Verzicht auf das strömungspolitische Engagement sei keine „Lex Wagenknecht“. Auf die Frage, warum die Politikerin nominiert worden sei, wenn sie nicht mehr für die Plattform sprechen dürfe, hatte er geantwortet: „Vielleicht gerade deshalb.“

Lafontaine nahm am Mittwoch erstmals seit seiner Krebsoperation wieder an einer Plenarsitzung des saarländischen Landtages teil. CDU, FDP und Grüne hatten den dortigen Linken-Fraktionschef in einer gemeinsamen Erklärung als „Brunnenvergifter“ attackiert: „Sein Beitrag zur Landespolitik erschöpft sich seit Wochen darin, zu skandalisieren, zu diffamieren und zu beleidigen.“ Kommende Woche soll Lafontaine Hauptredner beim Politischen Aschermittwoch der Saar-Linken in Wallerfangen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar