Politik : Linke: Wir werden Lafontaine nicht läutern können

Stephan Haselberger

Berlin - Vor ihrem Parteitag an diesem Samstag in Berlin bemüht sich die Führung der Linkspartei, die Debatte um den Lebensstil ihres Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine einzudämmen. Im ZDF verteidigte Gregor Gysi seinen Partner gegen den Vorwurf, dessen Leben als „Luxus-Linker“ beeinträchtige die Glaubwürdigkeit des Einsatzes für sozial Benachteiligte. In diesem Sinn hatte sich zunächst der frühere PDS-Wahlkampfmanager André Brie geäußert. Er reagierte damit auf Berichte, wonach Lafontaine nur dann zur Teilnahme an einem Leserforum mit der „Bild am Sonntag“ bereit gewesen wäre, wenn das Blatt ihm den Flug in einem Privatjet von seiner Ferieninsel Mallorca nach Deutschland und zurück bezahlt hätte.

Gysi erklärte zu der Lafontaine-Debatte in seiner Partei, er sei „gegen die These, dass man zwingend arm sein muss, um linke Politik zu machen“. Auch Besserverdienende sollten sich „für eine solidarische und sozial gerechte Politik einsetzen“. Nach Tagesspiegel-Informationen hatte er zuvor versucht, einzelne Kritiker zur Relativierung ihrer Aussagen zu bewegen. Anders als Brie, der auf Drängen der Partei eine Art Ehrenerklärung zu Gunsten Lafontaines abgab, blieb der sächsische Landtagsabgeordnete Ronald Weckesser auch nach einem Telefonat mit Gysi bei seiner Beurteilung, es sei „politisch schwierig, dass Lafontaine lieber den Termin platzen lässt als mit Linie zu fliegen“.

Die Chefin der Linkspartei in Sachsen, Cornelia Ernst, verlangte am Donnerstag ein rasches Ende der Debatte. „Die Diskussion schadet nur, allzumal wir Lafontaine ohnehin nicht werden läutern können“, sagte sie dem Tagesspiegel. Zugleich äußerte sie aber auch Verständnis für die Kritik aus den eigenen Reihen an dem früheren SPD-Chef. „Dass Lafontaine die Teilnahme an einem Leserforum absagt, weil er nicht für 17500 Euro mit einem Privatjet reisen darf, hat mich nicht begeistert. Über so viel Geld verfügen manche Leute im ganzen Jahr nicht. Und diese Leute wollen wir glaubwürdig vertreten.“ Linkspartei-Sprecher Hendrik Thalheim zeigte sich unterdessen überzeugt, dass Lafontaines Lebensstil ein „ausgelutschtes Thema“ sei und auf dem Parteitag keine Rolle spielen werde. Ob sich der vormalige SPD-Vorsitzende in seiner Rede selbst dazu äußern werde, wisse er nicht. Man könne aber sicher sein, „dass das eine Medienkampagne bleibt“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar