• Linken-Politiker Helmut Holter zur Führungsdebatte : „Wir brauchen eine Paketlösung“

Linken-Politiker Helmut Holter zur Führungsdebatte : „Wir brauchen eine Paketlösung“

Nach dem Rücktritt von Gesine Lötzsch als Parteichefin der Linken ist die Debatte über die künftige Führung der Partei voll entbrannt.

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Helmut Holter
Helmut HolterFoto: dapd

Gesine Lötzsch tritt aus familiären Gründen als Linken-Vorsitzende zurück. Was bedeutet das für ihre Partei?

Das bedeutet zweierlei: Wir müssen jetzt wieder eine Personaldebatte führen, die wir vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein nicht haben wollten. Das Gute ist aber: Es wird eine offene Diskussion über die Besetzung der neuen Parteiführung möglich.

Sollte es vor den Landtagswahlen in Düsseldorf und Kiel Klarheit über die künftige Führung geben?

Spannend ist, ob es vor dem Parteitag im Juni einzelne Kandidaturen oder eine Paketlösung geben wird. Ich finde: Wir brauchen eine Paketlösung mit Personen, die für eine moderne und zukunftsfähige Linke stehen. Wir müssen die Frage beantworten, wer die Partei am besten in die Bundestagswahl 2013 führen kann. Es darf jetzt nicht darum gehen, wer welche Begehrlichkeiten hat.

Viele in der Linkspartei wünschen sich ein Comeback Oskar Lafontaines. Kann er die Partei aus der Krise führen?

Oskar Lafontaine sollte bei der Bundestagswahl 2013 eine herausragende Rolle spielen. Seine Rückkehr auf die Bundesbühne würde der Linken neuen Schwung geben. Ob er Spitzenkandidat oder Parteivorsitzender werden sollte, hängt vom Gesamtpaket ab.

Andere wünschen sich das Duo Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht an der Parteispitze. Was halten Sie davon?

Ich unterstütze Dietmar Bartsch bei seiner Kandidatur zum Parteivorsitz, er kommt aus unserem Landesverband. Mir kommt es aber auf eine überzeugende Gesamtlösung an.

Bei den bevorstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein droht die Linke, aus den Landtagen zu fliegen. Ist damit der Traum von der gesamtdeutschen Partei vorbei?

Die Linke ist gerade in einer Phase, in der sie sich behaupten muss. Wenn uns der Wiedereinzug in die Landtage nicht gelingt, würden wir politisch an Boden verlieren, nicht nur in Westdeutschland. Entscheidend ist, dass wir den Wählern ein gutes inhaltliches Angebot machen müssen. Wir dürfen nach dem Rückzug von Gesine Lötzsch nicht wieder in Selbstbeschäftigung verfallen und die Menschen im Land vergessen.

Fehlt der Linken die Machtperspektive?

Die Linke muss sich weiter profilieren. Wir müssen uns in den nächsten Wochen und Monaten auf originäre linke Themen fokussieren und damit wieder mehr Zustimmung gewinnen. Alle anderen Fragen stellen sich immer erst nach Wahlen.

Helmut Holter (58) ist seit 2009 Fraktionschef der Linken im Landtag Mecklenburg- Vorpommern. Von 1998 bis 2006 war er Minister in der rot- roten Landesregierung in Schwerin.

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