LINKER CHEFVOLKSWIRT  : Titel, Thesen, Spott bei Twitter

Die Linken-Bundestagsfraktion leistet sich nun, was die Deutsche Bank schon lange hat: einen Chefvolkswirt. In den eigenen Reihen gibt es eine Menge Spott für den neu geschaffenen Posten.

Der 59-jährige Gewerkschaftsfunktionär Michael Schlecht, der erstmals für die Linke in den Bundestag eingezogen ist, darf sich künftig mit diesem im Parlament eher unüblichen Titel schmücken. In den eigenen Reihen wird der neu geschaffene Posten zum Teil mit Skepsis, zum Teil mit Spott gesehen. Der Gewerkschafter Schlecht, so berichten Abgeordnete, habe den Titel „Chefvolkswirt“ beansprucht, nachdem die Kommunistin Sahra Wagenknecht als wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion nominiert worden war. Die Abgeordnete Halina Wawzyniak verlangte daraufhin – ironisch – auch einen vergleichbaren Posten für sich in der Fraktion: „Wie wäre es mit Cheftwitterin oder Chefbloggerin?“, fragte Wawzyniak über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Der studierte Volkswirt Schlecht ist seit 2001 Bereichsleiter Wirtschaftspolitik bei der Gewerkschaft Verdi, auch dort nannte er sich Chefvolkswirt. Mit der Forderung nach milliardenschweren Investitionsprogrammen und einer Millionärssteuer prägte er den wirtschaftspolitischen Kurs der Linken mit. Insgesamt hat die Fraktion für ihre 76 Abgeordneten 47 Sprecherposten vorgesehen, von A wie Allgemeine Bildungspolitik bis W wie Wirtschaftspolitik. Besonders begehrt waren bei der Vergabe der Sitze in den Ausschüssen die Themen Arbeit und Soziales. Noch nicht besetzt hat die Linke nur einen Posten: den des Datenschutzbeauftragten. ce

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