Links der SPD : Lafontaine will im Saarland punkten

Lafontaine bedrängt die SPD nicht nur in Berlin – auch in seiner Heimat will er punkten. An der Loyalität seiner Anhänger muss er nicht zweifeln.

Cordula Eubel,Matthias Meisner
Oscar Lafontaine
Helden wie wir. Oskar Lafontaine im August vergangenen Jahres auf einem Landesparteitag der Linken im Saarland. -Foto: dpa

BerlinAm Samstag will Oskar Lafontaine seinen großen Tag haben in der Halle des Alt-Saarbrücker Turn- und Sportvereins. Die Linkspartei im Saarland hat ihre 3300 Mitglieder eingeladen zur Vollversammlung, um ihrem Helden den Weg zu ebnen für ein politisches Comeback. Lafontaine, Ex-Oberbürgermeister von Saarbrücken, Ex-Ministerpräsident und Ex-SPD-Chef will zurück auf den Posten des Regierungschefs im Saarland. Damit es keine Zweifel gibt, ob er das auch wirklich kann, gab seine Pressestelle zu Wochenbeginn als Reaktion auf Spekulationen der „Bild“-Zeitung eine Erklärung zu seinem Gesundheitszustand ab: „Oskar Lafontaine ist gesund, treibt regelmäßig Sport.“

Das Statement vor der Versammlung in einer Sporthalle entbehrt nicht einer gewissen Komik. Doch fit sein muss Lafontaine in jedem Fall, geht er im Superwahljahr doch gleich zweimal ins Rennen. In Saarbrücken sollen ihn die Genossen nicht nur in seiner Bewerbung fürs Ministerpräsidentenamt bestärken; die Landtagswahl findet am 30. August statt. Sie werden ihn auch auf den Platz eins der Liste für die Bundestagswahl vier Wochen später setzen. An der Loyalität seiner Anhänger muss Lafontaine nicht zweifeln. In der Einladung zur Versammlung nennen sie ihn bereits den „Spitzenkandidaten der Saar-Linken“, ohne dass ein offizieller Beschluss überhaupt gefasst ist. Klar ist bisher nur, dass Lafontaine die Linken-Liste im Landeswahlkreis Saarlouis/Merzig-Wadern anführt.

Die inhaltlichen Schnittmengen zwischen SPD und Linken sind groß, beide Parteien wollen den Steinkohlebergbau auch nach 2012 fortführen, Ganztagsschulen einführen und die Studiengebühren abschaffen. Auch steht die Linke im Saarland im Vergleich zu anderen West- Landesverbänden sehr geordnet da. Zahlreiche Mitglieder sind aus der SPD gekommen. Der saarländische Linken-Bundestagsabgeordnete Volker Schneider spricht von einer „Partei mit viel Organisationserfahrung“.

Dennoch bleibt fraglich, ob Lafontaine wirklich eine reelle Chance hat, noch einmal Ministerpräsident in seiner Heimat zu werden – wegen der Wunden, die er in der Saar-SPD hinterlassen hat. Zwar hat SPD-Spitzenmann Heiko Maas den Fehler seiner Genossen in Hessen nicht wiederholt und ein linkes Bündnis für denkbar erklärt. Eine Einschränkung machte er aber doch: „Einen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine werden wir nicht wählen.“ Ohne Not hätten sich Maas und die Saar-SPD „ein Bein gestellt“, kommentierte das der Landesvorsitzende der Linken, Rolf Linsler. „Wir spielen zu gleichen Regeln“, forderte Lafontaine von Maas. Wenn die SPD das nicht wolle, könne sich auch Maas die Staatskanzlei abschminken. Rechnerisch denkbar ist eine rot-rote Koalition, beide Parteien liegen in der Wählergunst fast gleichauf. In der jüngsten Umfrage kam die SPD mit 25 Prozent auf Platz zwei hinter der CDU, die Linke folgte mit 23 Prozent.

Die CDU im kleinsten Flächenstaat ist fest entschlossen, mit Warnungen vor Rot-Rot Stimmung zu machen. Die Christdemokraten analysieren zwar, dass die SPD in dieser Frage gespalten ist, es aber eine klare Präferenz für Rot-Rot gebe. Sie sagen voraus, dass, wenn Heiko Maas sich nach der Wahl an sein Wahlversprechen halten wolle, die Sozialdemokraten das Linksbündnis einfach ohne ihn schmieden.

Der Linken–Bundestagsabgeordnete Schneider sagt zum gleichen Thema: „Alte SPD-Freunde sagen mir zwar, dass sie es für unwahrscheinlich halten, dass die Linke vor der SPD liegen wird. Sie sagen mir aber auch, dass dies – wenn es so käme – eine verheerende Wahlniederlage für die SPD wäre.“ Dann müsse damit gerechnet werden, dass Maas die Verantwortung übernehmen und zurücktreten müsse. „Wir würden dann mit ganz anderen Leuten in der SPD verhandeln“, sagt Schneider voraus. Noch also bleibt offen, ob Lafontaine die SPD künftig von Saarbrücken aus quält – oder weiter aus Berlin.

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