Politik : Links vorbei

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es gibt Menschen, denen sind Zahlen ein Gräuel (Statistiken sind ohnedies stets gefälscht). Denen sei die Lektüre der folgenden Zeilen nur empfohlen, wenn sie sich gruseln wollen. Denn heute verzichten wir auf alles Impressionistische und Atmosphärische und servieren knochentrockene Fakten-Kost. Thema: Der Fleiß unserer Bundestagsabgeordneten. Befund, dankenswerterweise erarbeitet von den Kollegen des Online-Dienstes „politikerscreen.de“: In der aktuellen, der 15. Wahlperiode, die vor einem Jahr begann, haben 67 Abgeordnete noch keine einzige Rede gehalten. 191 Kollegen dagegen sind zehnmal oder öfter ans Pult getreten. Die eifrigsten Redner sind die beiden PDS-Damen Lötzsch und Pau. Logisch, die sind allein und müssen also zum Jagdrecht, zum Irak, zu den Gemeindefinanzen und zur Prozessordnung gleichermaßen sprechen. Der dritthäufigste Redner ist übrigens Joschka Fischer.

In der letzten Legislaturperiode, der 14. von 1998 bis 2002, war Fischer der am häufigsten gehörte Redner überhaupt. Es folgte eine längst vergessene PDS-Abgeordnete namens Eva Bulling-Schröter, eine Schlosserin aus Bayern. Drittplatzierter war der Abgeordnete Gerhard Schröder, bekannter als Bundeskanzler. Friedrich Merz von der Union ist übrigens deren häufigster Redner, sowohl in der 14. als auch in der 15. Legislaturperiode. In der Schlussbilanz der Jahre 1998 bis 2002 hielten 26 Abgeordnete nicht eine einzige Rede, 81 dafür gleich mehr als 100. Und jetzt die Preisfrage. Was haben Ottmar Schreiner, Rudolf Scharping, Rolf Schwanitz, Claudia Nolte und Hans-Peter Repnik gemein? Sie haben seit Oktober 2002 keine einzige Rede gehalten.

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