Linksextremismus : "Terror-Sympathisantin" - Juso-Chefin soll zurücktreten

Noch nicht einmal eine Woche ist Franziska Drohsel neue Juso-Vorsitzende, da wird aus der Union und der FDP schon ihr Rücktritt gefordert. Drohsel ist Mitglied in einer Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

071130drohsel
Franziska Drohsel steht im Kreuzfeuer der Kritik. -Foto: dpa

BerlinDie Kritik an der neuen Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel wegen ihrer Mitgliedschaft in der linken Organisation "Rote Hilfe" verschärft sich. Die Junge Gruppe in der Unions-Bundestagsfraktion forderte ihren Rücktritt. "Die neue Juso-Vorsitzende ist Aktivistin einer linksextremen Organisation, die die RAF-Morde verharmlost und die vom Verfassungsschutz beobachtet wird", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Gruppe, Julia Klöckner (CDU). "Wenn die Mutterpartei SPD das billigt, dann unterstützt sie damit auch die Parolen der Linksextremen."

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) verlangte in der "Bild"-Zeitung eine Stellungnahme von SPD-Chef Kurt Beck. CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Dieser Verein unterstützt die Rote Armee Fraktion. Frau Drohsel bekennt sich damit zu linksextremer Gesinnung. Das ist mit ihrem Amt als Juso-Vorsitzende unvereinbar, sie muss zurücktreten." Das FDP-Vorstandsmitglied Johannes Vogel forderte Drohsel in der Zeitung auf, aus dem Verein auszutreten. Ähnlich äußerte sich der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz.

Die am vergangenen Wochenende zur neuen Vorsitzenden der SPD-Nachwuchsorganisation gewählte Berliner Juristin wies die Rücktrittsforderung zurück. Die Mehrheit der Jusos und sie selber seien der Auffassung, dass "die Mitgliedschaft und das Amt als Juso-Bundesvorsitzende nicht im Widerspruch zueinander stehen", teilte Drohsel mit. Das zeige auch ihr Wahlergebnis von 76 Prozent. Sie werde daher nicht aus der "Roten Hilfe" austreten.

Kurt Beck soll einschreiten

"Man stelle sich einmal vor, Philipp Mißfelder, der Vorsitzende der Jungen Union, wäre Mitglied in einem rechtsradikalen Verein. Es würde zu Recht einen Aufschrei von Flensburg bis Mittenwald geben", sagte Bosbach der "Bild"-Zeitung. Beck müsse sagen, "ob die Mitgliedschaft von Frau Drohsel in einer linksextremistischen Organisation vereinbar ist mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie".

Auch Haderthauer forderte SPD-Chef Kurt Beck zum Handeln auf. "Er muss entscheiden, ob Drohsel noch dem SPD-Vorstand angehören soll", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Juso-Vorsitzende gehören automatisch dem SPD-Vorstand an. Wiefelspütz sagte der "SZ", Drohsel sei gut beraten, ihre Mitgliedschaft in der "Roten Hilfe" zu überdenken. Diese Organisation werde aus guten Gründen vom Verfassungsschutz beobachtet. Die CDU-Studentenorganisation RCDS bezeichnete Drohsel als "Terror-Sympathisantin".

Drohsel distanziert sich von RAF-Unterstützung

Die "Rote Hilfe" unterstützt linke Demonstranten, die bei Kundgebungen festgenommen werden. Sie ruft zudem zur Solidarität mit inhaftierten RAF-Terroristen auf. Von diesen Aufrufen distanzierte Drohsel sich und erklärte: "Keinesfalls trage ich sämtliche Positionen der Roten Hilfe mit." (imo/smz/dpa/ddp)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben