Linkspartei : Bartsch warnt Linke vor Kungelei

Dietmar Bartsch, einziger Kandidat für das Vorsitzendenamt der Linkspartei, findet das Zögern seiner möglichen Mitbewerber beunruhigend. Er fordert Klarheit über die parteiinterne Konkurrenz - schon vor den Landtagswahlen im Mai.

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Dietmar Bartsch
Dietmar BartschFoto: dapd

Eineinhalb Monate vor dem Bundesparteitag der Linken wächst unter Genossen die Ungeduld über das Zögern von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, sich über seine möglichen Ambitionen für ein Spitzenamt zu äußern. Vize-Fraktionschef Dietmar Bartsch, nach dem Rücktritt von Parteichefin Gesine Lötzsch bisher der einzige Bewerber für den Vorsitz, forderte auf seiner Internetseite, auch andere Kandidaten sollten ihre Bewerbungen für die Führung jetzt öffentlich machen.

Es beunruhige ihn, dass die in Göttingen anstehenden Entscheidungen weniger als 50 Tage zuvor „kaum eine Rolle spielen“, schrieb Bartsch. Der vom Vorstand vorgelegte Leitantrag „regt weder an noch auf“, kritisierte der frühere langjährige Bundesgeschäftsführer, der 2010 vom damaligen Vorsitzenden Lafontaine aus dem Amt gedrängt worden war. Solle ein Aufbruch gelingen, so meint Bartsch, müsse dieser „jetzt angegangen werden: offen und nicht in Hinterzimmern, mit der Mitgliedschaft und nicht in kleinen Kreisen“.

Bisher aber laufe die Vorbereitung des Parteitages „ziemlich an der Mitgliedschaft vorbei“. Mit seiner Wortmeldung wendet sich Bartsch indirekt auch gegen Lafontaine. Dieser ist gegen eine öffentliche Personaldiskussion vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai. Am Montag hatte Lafontaine in Saarbrücken zwar zugegeben, dass Gespräche über die „Formation der Partei in den kommenden zwei Jahren“ zwar bereits laufen.

Man könne aber „solche Dinge nicht auf dem offenen Markt austragen“. Der Ex-Parteichef hatte mit Blick auf die Diskussionen in der Partei hinzugefügt: „Bei mir bildet sich Unmut über die Schwatzhaftigkeit.“ In Anspielung auf Lafontaine hatte der Reformerflügel vor der „verzweifelten Suche nach dem alleinigen Heilsbringer“ gewarnt. Nach Angaben aus Parteikreisen ist eine Bewerbung von Lafontaine nach wie vor nicht sicher.

Als ausgeschlossen gilt, dass dieser eine Doppelspitze aus Bartsch und seiner Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht, frühere Wortführerin der Kommunistischen Plattform, akzeptieren würde. Wagenknecht will Vorsitzende der Bundestagsfraktion werden, strebt mit Blick auf dieses Ziel womöglich auch die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2013 an.

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