Linkspartei : Bisky wünscht sich eine Kampfkandidatur bei den Linken

Die Fronten in der Linkspartei sind verhärtet, im Führungsstreit ist keine Lösung in Sicht. Für den ehemaligen Vorsitzenden Lothar Bisky wäre es kein Problem, wenn sich Ex-Parteichef Oskar Lafontaine und der frühere Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch dem Wettbewerb auf dem Göttinger Parteitag Anfang Juni stellen.

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Lothar Bisky
Lothar BiskyFoto: Mike Wolff

Der frühere Linken-Chef Lothar Bisky wünscht sich, dass der Führungsstreit seiner Partei per Kampfabstimmung entschieden wird. Zwei Wochen vor dem Bundesparteitag in Göttingen, auf dem eine neue Spitze gewählt werden soll, sagte Bisky dem Tagesspiegel, mit Dietmar Bartsch und Oskar Lafontaine habe die Linke zwei „ehrwürdige Kandidaten“, dies sei „eine Bereicherung des Parteilebens und kein Problem“. Bisky betonte: „Ich bin für Bartsch", aber beide hätten Chancen. Der frühere Bundesgeschäftsführer Bartsch habe bewiesen, „dass er die Partei zusammenhalten kann“, verstehe „besonders viel“ gerade von ihrem Innenleben. Bisky fügte hinzu: "Ich habe häufig beklagt, dass ich bei Wahlen keine Gegenkandidaten hatte. Das habe ich immer als Verlust gesehen."

Bisky kritisierte die Bedingung von Ex-Parteichef Lafontaine, sich nur dann zu bewerben, wenn er in Göttingen keinen Gegenkandidaten hat. Er würde es „jedenfalls bedauern, wenn Bartsch nicht antritt“, fügte Bisky an. Er riet Lafontaine ab, sich ähnlich wie 1995 auf dem SPD-Bundesparteitag in Mannheim mit einer flammenden Rede an die Spitze zu putschen: „Eine Wiederholung von Mannheim kann nur als Komödie gelingen.“ Zur Lage der Linken sagte Bisky: „Der frische, freche Eindruck, den wir mal hatten, ist leider nicht mehr da.“ Zwischen Ost und West gebe es immer noch „eine Riesenkluft“. Im Osten sei die Linke Volkspartei, "im Westen bleiben wir anhaltend und nachdrücklich schwach". Dennoch, so Bisky weiter, wolle er auf eine gesamtdeutsche Linke nicht verzichten, "die sich Mühe gibt, diesen Unterschied zu überbrücken".


Bisher ist offen, ob und wie der Führungsstreit geschlichtet werden kann. Vor zwei Jahren hatte Bartsch auf Druck des damaligen Parteichefs Lafontaine seinen Hut als Bundesgeschäftsführer nehmen müssen. Seitdem gilt das Verhältnis der beiden als äußerst gespannt, trotz mehrerer Begegnungen in den letzten Monaten. Bei einer Krisensitzung am Dienstag hatte Parteichef Klaus Ernst an die beiden Funktionäre appelliert, sich vor dem Parteitag auszusprechen. Dieses Treffen soll nach Tagesspiegel-Informationen an diesem Sonntag in Berlin stattfinden. Lafontaine äußerte sich zuvor nicht zu dem Konflikt mit Bartsch. Der Ex-Chef wird vor der Begegnung einer der Hauptredner auf einer Konferenz des linken Parteiflügels in Berlin sein, die für ein „Kurs halten“ wirbt. Auch seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht wird dort auftreten.

Dietmar Bartsch
Dietmar BartschFoto: Eventpress Herrmann

Bartsch verwahrte sich gegen die Absicht Lafontaines, ihn mit einem Posten als Vize-Parteichef abzuspeisen. Dies sei „indiskutabel“, meinte er. Bartsch zeigte sich zwar offen, für ein Spitzenduo aus Wagenknecht und ihm - bisher wird aber diese Variante nach Angaben aus Lafontaines Umgebung sowohl vom früheren Vorsitzenden selbst als auch von Wagenknecht abgelehnt. Bisher gibt es auch keine Hinweise darauf, dass Lafontaine Bartsch wieder als Bundesgeschäftsführer einsetzen will, wie es Fraktionschef Gregor Gysi als Kompromiss ins Gespräch gebracht hatte. Im Reformerflügel wird nicht mit einer Versöhnung zwischen Lafontaine und Bartsch gerechnet. Dort hieß es mit Blick auf die Unterstützung vieler Ost-Verbände für Bartsch: „Die Fronten stehen relativ klar.“


Nicht nur bei Bisky löste Lafontaines Forderung, nur ohne Gegenkandidaten antreten zu wollen, Irritationen aus. Der stellvertretende Chefredakteur des parteinahen „Neuen Deutschlands“, Wolfgang Hübner, schrieb im Internet-Blog „Lafontaines Linke“ an die Adresse Lafontaines: „Wer so denkt, erpresst und entmündigt die Partei und betrachtet sie als seine Beute. Er tut der Partei damit keinen Gefallen – und lebt, wenn er sich durchsetzt, mit dem Makel, den Parteivorsitz nicht erkämpft, sondern erzwungen zu haben“. Die Personaldebatte sei „zerstörerisch“, auch wegen des Vorgehens von Lafontaine zur „Groteske“ geworden. Die Diskussion sei auch für die Außenwirkung der Linken verheerend, sie könne den Ruf der Partei "stärker ramponieren als zwei krasse Wahlniederlagen".


Bundesgeschäftsführerin Caren Lay übte Kritik am Machtkampf. „Ich halte das in Teilen für einen persönlich motivierten Konflikt“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Die Meinungsverschiedenheiten, etwa im Verhältnis zur SPD, seien zwischen Lafontaine und Bartsch nicht unüberbrückbar. Lay wirbt ähnlich wie Parteivize Katja Kipping für einen „dritten Weg“ mit jüngeren Kandidaten oder einer weiblichen Doppelspitze. Die Resonanz auf diese Appelle blieben bisher aber verhalten. Bisky meinte dazu: "Der dritte Weg ist immer der edle, der bessere und der tolle Weg. Und keiner geht ihn."

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