Linkspartei : Ganz links nach oben

Die Kommunistin Sahra Wagenknecht hält sich eine Kandidatur als stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei offen – und versetzt damit ihre Genossen vor dem Parteitag in Cottbus Ende Mai in Unruhe.

Cordula Eubel
Wagenknecht
Sahra Wagenknecht -Foto: ddp

Berlin - „Ich habe mich noch nicht entschieden“, sagte die Wortführerin der Kommunistischen Plattform dem Tagesspiegel. Es sei aber „problematisch, dass einige in der Partei meine Kandidatur offenbar als Kriegserklärung empfinden würden“, beklagt sich Wagenknecht: „Ich will die Partei nicht in eine Zerreißprobe treiben.“

Die 38-Jährige ist eine der umstrittensten Führungspersonen der Linken. Sie gehört dem Parteivorstand an und sitzt für die Linke seit 2004 im Europa-Parlament. Für viele in der Partei ist Wagenknecht ein rotes Tuch, weil sie die DDR unbeirrt verteidigt. Ihre Kritiker werfen ihr vor, sie habe bis heute nicht mit dem Stalinismus gebrochen. Doch für einige frühere DDR-Kader ist Wagenknecht eine Politikerin, die einen der vier Stellvertreterposten erhalten sollte. So warben die beiden ehemaligen DDR-Minister Christa Luft und Klaus Höpcke sowie der Honecker- Anwalt Friedrich Wolff in einem Brief an die Parteichefs Oskar Lafontaine und Lothar Bisky für Wagenknecht: Sie vertrete „auf eigenständige Art marxistischer Grundüberzeugungen“ und habe mit ihren Auftritten im Fernsehen oft „unerwarteten Sympathiezuwachs“ ausgelöst.

Nachdem sie als Parteivize vorgeschlagen worden sei, habe sie aus der Partei viel Rückhalt bekommen, auch aus den neuen Bundesländern, berichtet Wagenknecht. Doch Parteichef Bisky machte ebenso wie Fraktionschef Gregor Gysi umgehend deutlich, dass er von einer Kandidatur der polarisierenden Marxistin nichts hält. Auf dem Parteitag will Bisky für Halina Wawzyniak werben, die Vorsitzende des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ist. Ein Vorschlag, bei dem Co-Chef Lafontaine kein Veto einlegen kann, auch wenn ihm unterstellt wurde, dass er mit einer Kandidatur Wagenknechts sympathisiere. Schließlich gilt die inoffizielle Arbeitsteilung, dass Bisky für die Stellvertreter aus dem Osten und Lafontaine für die aus dem Westen zuständig ist. Wawzyniak dürfte breite Unterstützung finden: Die Justitiarin der Bundestagsfraktion gilt als beliebt an der Basis und fiel bei Parteitagen durch geschicktes Konfliktmanagement auf. Wagenknecht würde mit ihrer Kandidatur daher wohl eher der früheren WASG-Aktivistin Ulrike Zerhau Konkurrenz machen, die von der „Sozialistischen Linken“ unterstützt wird, ohne deren Stimmen auch Wagenknechts Chancen sinken würden.

Wagenknecht will rechtzeitig vor dem Parteitag erklären, ob sie nur für den Parteivorstand oder auch als Parteivize kandidiert. Zudem würde sie „es sehr spannend finden“, 2009 für den Bundestag zu kandidieren – vielleicht als Spitzenkandidatin.

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