Linkspartei : Genossen kämpfen um die führende Rolle

Gregor Gysi will die Linke in den Bundestagswahlkampf 2013 führen, Sahra Wagenknecht eigentlich auch. Die schwierige Suche nach einem Kompromiss.

von
Gewisser Abstand. Sahra Wagenknecht, Gregor Gysi
Gewisser Abstand. Sahra Wagenknecht, Gregor GysiFoto: dapd

Für die Linken-Vorsitzende Katja Kipping ist die Frage der Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2013 eine, die „gemeinsam und kooperativ“ beantwortet werden soll. Ihr Co-Chef Bernd Riexinger meint, die Partei werde beweisen, dass sich wichtige Funktionäre nicht gegenseitig blockieren. Gregor Gysi, Vorsitzender der Bundestagsfraktion und für das Spitzenteam frühzeitig gesetzt, kündigte kurz vor Weihnachten an: „Es wird eine einvernehmliche Lösung geben.“

So wird über eine in Wahrheit problembeladene Angelegenheit gesprochen. Gysi, bald 65, will zwar gern und unbedingt die Linke in den Wahlkampf führen, dies aber nicht gleichberechtigt mit Sahra Wagenknecht, 43, seiner Stellvertreterin in der Fraktion, und, was vielleicht noch wichtiger ist, Lebensgefährtin von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine. Mit dem hatte Gysi seit 2005 viele Jahre zusammengearbeitet. Das klappte nur eine Weile gut, dann mussten sich beide äußerst zusammenreißen, um ihre Konflikte zu verbergen. Eine ähnliche Konstellation fürchtet Gysi, sollte Wagenknecht die Linke im Doppel mit ihm in den Wahlkampf führen. Viele in der Partei sähen Wagenknecht dann auch gesetzt als künftige Vorsitzende der Bundestagsfraktion – eine Vorentscheidung, die Gysi seinen Freunden im ostdeutschen Reformerflügel ersparen will.

Es war deshalb von Hans Modrow etwas gemein, Mitte Dezember im „Neuen Deutschland“ auf einer Doppelspitze für den Wahlkampf zu beharren. Der Chef des Ältestenrates der Partei, der sich mit seinen 84 Jahren immer noch als Wortführer der Basis sieht, erinnerte an das Viererteam, mit dem die PDS 2002 angetreten war – mit der Vorsitzenden Gabi Zimmer, Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, dem scheidenden Fraktionschef Roland Claus und der Abgeordneten Petra Pau. Die PDS scheiterte damals an der Fünfprozenthürde: „Keine Partei hält das durch, wenn sich mitten im Wahlkampf die Spitzenkandidaten gegenseitig demontieren“, hieß es in einer Analyse der Partei. Modrow sagte nun: „Wir müssen aufpassen, dass unter den aktuellen Bedingungen nicht etwas Ähnliches geschieht.“

Die Gysi-Anhänger sähen gern ihren Star als den einzigen Spitzenkandidaten. Das Duo sei vom Tisch, der Lafontaine- Wagenknecht-Flügel habe „eine Niederlage“ kassiert, heißt es in ihren Zirkeln. Verbunden wird das mit Lob für das „wild entschiedene“ Vorgehen Gysis. Demnach soll ihm „nur“ ein Team „zur Seite gestellt“ werden, mit Wagenknecht, Bartsch, Kipping und womöglich vielen weiteren, damit der Vormann glänzen kann. Wagenknechts Anhänger indes nervt das Erpressungsmanöver – noch wollen sie nicht gelten lassen, dass ihre Favoritin nur Spitzenkandidatin „zweiter Klasse“ sein soll. Warum auch? Die frühere Kommunistin punktet besonders im Westen, erreicht neue Milieus. Sie sitzt so oft in Fernsehtalkshows wie kein anderer Linken-Politiker (2012: acht Mal, Lafontaine fünf Mal, Gysi und Kipping je vier Mal). Dem „Spiegel“ sagte sie, dass der CDU-Politiker Ludwig Erhard heute mit seine Ansprüchen am besten bei der Linkspartei aufgehoben wäre. Gysi und Wagenknecht seien „von ähnlicher Güteklasse“, betont der hessische Linken-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke.

Kipping und Riexinger haben das Vorschlagsrecht. Beide hoffen, dass Gysi und Wagenknecht „in irgendeiner Weise“ zusammenwirken. Der Parteivorstand tagt am 20. Januar. Bevor der einen Vorschlag zerpflücken kann, baut Kipping vor: Die Bedeutung der Frage sei „sehr relativ“, sagte sie der „Sächsischen Zeitung“. Im Grunde gehe es „nur darum, wer auf den Plakaten ist“. Wo dann ab Sommer 2013 wer geklebt wird, entscheiden die Landesverbände. Und egal, ob es nun nur einen Spitzenkandidaten oder ein Team – womöglich beides – gibt: Im Karl-Liebknecht-Haus stellt man sich darauf ein, dass Gysi und Wagenknecht als Plakatmotiv so häufig abgefordert werden wie kein anderer Kandidat.

Autor

12 Kommentare

Neuester Kommentar