Linkspartei : Gerangel um Mitgliederentscheid zur Parteiführung

13.01.2012 00:00 Uhrvon
Zu viele Eigentorschützen. Oskar Lafontaine, früherer und vielleicht auch nächste Parteichef ist mächtig angenervt von den Rangelei in der Linken. Foto: dapd
Zu viele Eigentorschützen. Oskar Lafontaine, früherer und vielleicht auch nächste Parteichef ist mächtig angenervt von den Rangelei in der Linken. - Foto: dapd

Die Linkspartei fordert mehr Demokratie. Bei der Entscheidung über die eigene Spitze ist sie damit gescheitert. Der geschäftsführende Parteivorstand stritt am Donnerstag in einer Sondersitzung über das Thema.

In der Linkspartei ist das Vorhaben gescheitert, die neue Führung per Mitgliederbefragung zu bestimmen. In einer Sondersitzung des geschäftsführenden Vorstandes setzte der linke Flügel am Donnerstagabend mit seiner Mehrheit durch, den Plan dazu als mit der Parteisatzung unvereinbar zu erklären. Gegen die Mitgliederbefragung stimmte Teilnehmern zufolge auch Parteichef Klaus Ernst, seine Ko-Chefin Gesine Lötzsch enthielt sich. Allerdings verständigte sich das Gremium, dass es vor dem Wahlparteitag im Juni in Göttingen Basisversammlungen geben soll, auf denen sich Kandidaten für die Spitze vorstellen können.

Das Procedere dazu soll am kommenden Montag auf einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Landesvorsitzenden verabredet werden.

Die beiden mächtigsten Männer der Linken, der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine und Fraktionschef Gregor Gysi, hatten bereits vor der Sitzung Einwände gegen eine solche Basisbeteiligung vorgebracht. Lafontaine meint, Vorentscheidungen zur Führung hätten Zeit bis kurz vor dem Wahlparteitag in Göttingen. Auch Gysi, der sich noch im Sommer zustimmend zu einem möglichen Mitgliedervotum geäußert hatte, hält inzwischen nichts mehr davon. Vor Weihnachten plädierte er dafür, die Führung in einem „gewissen Kreis“ zu bestimmen, also in einer Hinterzimmerrunde, und das möglichst bis Mitte Januar. Dafür aber ist die Zeit davongelaufen – die Parteiführung will jetzt einen Termin festlegen, bis zu dem Kandidaten möglichst ihre Bewerbung abgeben sollen.

Mit Lafontaine, der gemeinsam mit Gysi bis 2009 die Bundestagsfraktion führte, hat der Fraktionsvorsitzende sich offenbar ohnehin nicht richtig abgesprochen. Lafontaine meint: „Wir haben zu viele Eigentorschützen, die unablässig über Personalfragen quatschen.“ Auch für Gysis Ankündigung, mit Lafontaine 2013 die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl übernehmen zu wollen, erteilte der Saarländer einen Rüffel. „Es gehört zu meinen Grundsätzen, über Personalfragen nicht öffentlich zum falschen Zeitpunkt zu schwadronieren“, sagte Lafontaine der „Saarbrücker Zeitung“.

Was die Mitgliederbefragung betrifft: Kaum einem der Funktionäre ist es gelungen, diese Forderung nach mehr innerparteilicher Demokratie zu trennen von der aktuellen Kandidatenlage für den Vorsitz. Diese ist bisher übersichtlich: Ihren Hut in den Ring geworfen haben bisher nur die bisherige Vorsitzende Lötzsch sowie der frühere Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, einer der Wortführer des Reformerlagers. Beide Politiker rechneten sich für den Fall der nun gescheiterten Mitgliederbefragung gute Chancen aus, hofften auf viele Voten vor allem aus den mitgliederstarken ostdeutschen Landesverbänden.

Lötzsch und Ernst stehen seit Mai 2010 an der Spitze, ihre bisherige Amtszeit ist verbunden mit einer Niederlagenserie der Linken. Mehr und mehr Genossen halten es für denkbar, dass Lafontaine, der seine Krebserkrankung wohl überstanden hat, in Göttingen noch einmal als Parteichef antritt und es nicht bei der seit einer Weile für ihn vorgesehenen Spitzenkandidatur belässt. Wenn er antritt, kann er ziemlich sicher sein, auch gewählt zu werden. In diesem Fall wäre Bartsch aus dem Rennen.

Die Frau im gemischten Doppel aber ist damit noch nicht gefunden. Zusammen mit Lötzsch will Lafontaine die Partei angeblich nicht führen. Aber es weiß auch niemand, wie ihr die Kandidatur auszureden ist. Gehandelt wird Carola Bluhm, die Berliner Ex-Sozialsenatorin. Doch zu dieser Spekulation gibt es ein Dementi. „Eine alte Überlegung, nichts mehr dran“, heißt es aus dem Berliner Landesverband.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite