Update

Linkspartei : Lafontaine gibt auf – Chaos bei den Linken

Oskar Lafontaine gibt im Rennen um den Parteivorsitz der Linkspartei auf, doch der Führungskampf tobt weiter. Seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht fordert nun auch Dietmar Bartsch zum Verzicht auf, weitere Kandidaten sind im Gespräch.

von und
Oskar Lafontaine
Oskar LafontaineFoto: dapd

Oskar Lafontaine hat das Chaos der Linken verschärft. Nachdem der 68-Jährige vergangene Woche seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekundet hatte, zog er sie nun am Dienstagabend wieder zurück. Er habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass „meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind“, hieß es in einer Erklärung Lafontaines. Dies sei kein Umfeld, „in dem ich mich in der Lage sehe dazu beizutragen, dass die Linke wieder eine starke bundespolitische Kraft wird“.
Der Ex-Parteivorsitzende hatte eine Kampfkandidatur gegen den Fraktionsvize der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, abgelehnt. Bartsch hielt allerdings an seiner Kandidatur fest. Diese Konfrontation hat die Flügel- und Grabenkämpfe zuletzt weiter verstärkt.

Bildergalerie - Etappen in der Geschichte der Linken:

Die Linke - Von der Gründung bis zur Zerreißprobe
Das Gezerre um die Parteiführung der Linken hat ein Ende. Auf ihrem Parteitag wählten die Delegierten ein neues Führungsduo: Bernd Riexinger und Katja Kipping. Ob damit nun wieder Ruhe einkehrt?Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Reuters
02.06.2012 23:14Das Gezerre um die Parteiführung der Linken hat ein Ende. Auf ihrem Parteitag wählten die Delegierten ein neues Führungsduo: Bernd...

Die Lebensgefährtin Lafontaines, Sahra Wagenknecht, forderte am Abend auch Dietmar Bartsch zum Verzicht auf die Kandidatur auf. „Ich denke, das wäre doch sicherlich eine Lösung, die eher die Partei eint“, sagte die Vize-Parteivorsitzende nach einer Parteiveranstaltung in Berlin. Bartsch solle nicht auf Gedeih und Verbleib bei seiner Kandidatur bleiben, denn diese sei insbesondere bei Genossen im Westen sehr umstritten. Die Basis wolle eine dritte Lösung, sagte Wagenknecht.

Der amtierende Parteichef Klaus Ernst schloss seine erneute Kandidatur nicht aus. Als bisheriger Lafontaine-Unterstützer wandte er sich erneut gegen Bartsch. „Ich finde, dass Dietmar Bartsch angesichts der Situation nicht der geeignete Kandidat ist“, sagte er. Die Linke brauche ein Gesicht, dass im Westen insbesondere den neuen Teil der Linken verkörpere.

Bereits an diesem Mittwoch wollen die stellvertretende Parteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen ihre Bereitschaft erklären, als Führungsduo anzutreten. Das bestätigte der Bundestagsabgeordnete Thomas Nord am Dienstagabend in Berlin. Auch Klaus Ernst brachte ein weibliches Spitzentandem ins Gespräch. „Zwei Männer haben wir ja schon gehabt“, sagte er auf einer Regionalkonferenz in Berlin. Es müssten Frauen mit Ausstrahlung auch in die alten Bundesländer sein.

Neben Kipping und Schwabedissen will auch die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann antreten. Sie hat sich bislang nicht auf einen Partner festgelegt und könnte somit auch eine Doppelspitze mit Bartsch bilden. Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht sprach von der schwersten Krise in der Geschichte der Partei, äußerte sich aber nicht zu ihren eigenen Ambitionen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

88 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben